Ist die private Krankenversicherung im Alter zu teuer?

Bezüglich der Krankenversicherung, insbesondere der privaten Krankenversicherung (PKV), ist in der Bevölkerung leider sehr viel "vererbtes" Halbwissen sowie Einiges an Unwahrheiten verbreitet. Hierzu lässt sich unter anderem die Mär von den unbezahlbaren Beiträgen der privaten Krankenversicherung im Alter zählen.

Ein breiter Konsens besteht sicherlich im Hinblick auf die in vielen Bereichen möglichen Leistungsvorteile der privaten Krankenversicherung gegenüber der gesetzlichen Versorgung. Dennoch sind vereinzelt junge Humanmediziner der Ansicht, dass sie eine private Krankenversicherung aufgrund ihres beruflichen Status und dem damit verbundenen medizinischen Netzwerk nicht benötigen. Diese Meinung ist jedoch nur zum Teil richtig. Ein anfangs tatsächlich vorhandener Vorteil schwindet mit der Zeit.

Im ambulanten Bereich mag es gerade bei kleineren Blessuren keinen signifikanten Unterschied ausmachen, in welchem System ein Arzt versichert ist. Unter Kollegen hilft man sich aus, auch ohne dass gleich eine Rechnung an die Krankenversicherung geht. Ist jedoch eine stationäre Behandlung nötig, wird die Klinik kaum auf die Kosten verzichten. Analoges gilt bei schwerwiegenden Erkrankungen oder schweren Verletzungen, wenn die Behandlung durch einen Spezialisten erforderlich oder gewünscht ist.

Für einen Arzt gilt dann wie für jeden anderen Patienten, dass die Behandlung, die möglicherweise bessere Heilungschancen verspricht, angenehmer für den Patienten ist, in der bevorzugten Klinik von dem gewünschten Spezialisten durchgeführt werden soll, höhere Kosten verursacht. Übernimmt diese höheren Kosten dann die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nicht, und das wird regelmäßig der Fall sein, müssen die Kosten selbst getragen werden, sofern das dann finanziell überhaupt möglich ist. Denn für die gesetzliche Krankenversicherung gilt grundsätzlich, dass Kosten nur übernommen werden, wenn diese

  • wirtschaftlich und
  • zweckmäßig sind und
  • das Maß des Notwendigen nicht übersteigen.

Das bedeutet vereinfacht ausgedrückt, die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für die Standardbehandlung im nächstgelegenen Krankenhaus und durch den gerade diensthabenden Stationsarzt. 

Wenn Sie eine bessere Versorgung wünschen, steht es Ihnen frei sich privat zu versichern, entweder über Zusatzversicherungen in den Bereichen 

  • ambulant ("Privatpatient" beim Arzt, Sehhilfen, Naturheilverfahren),
  • stationär und
  • Zahn,

oder über eine private Vollversicherung, sofern Sie die Zugangsvoraussetzungen hierfür erfüllen. Angestellte können in das private Krankenversicherungssystem wechseln, wenn sie die Jahresarbeitsentgeltgrenze (2019: 60.750 Euro) mit ihren regelmäßigen Bruttoeinnahmen überschreiten. 

Für eine durchgängig hochwertige Versorgung im Krankheitsfall ist in der Regel die private Krankenvollversicherung die sinnvollere und preiswertere Wahl. Denn die umfassende Absicherung der Bereiche ambulant, stationär und Zahn bedeutet zusätzlich zu dem ohnehin schon beträchtlichen finanziellen Aufwand für die gesetzliche Krankenversicherung einen weiteren dreistelligen monatlichen Beitragsaufwand. 

Bei Abschluss einer privaten Krankenvollversicherung erhalten Sie in einem leistungsstarken Tarif in vielen Bereichen bessere Leistungen als in der gesetzlichen Krankenversicherung, und das bei gutem Gesundheitszustand zu einem deutlich günstigeren Beitrag. Natürlich ist für die Beurteilung des Preis-/Leistungsverhältnisses auch entscheidend, wie sich die Beiträge langfristig entwickeln. Zwar kann Ihnen niemand verbindlich sagen, wo die Beiträge in 30 oder 40 Jahren stehen werden, weder für die private, noch für die gesetzliche Krankenversicherung, aber wir können uns ansehen, wie 

  • sich die Beiträge zusammensetzen,
  • weshalb die Beiträge überhaupt steigen und
  • wie sich die Beiträge in der Vergangenheit entwickelt haben.

Aussage der Bundesre​gierung zur Beitragsbelastung von Rentner in der PKV


Auf eine Anfrage der Grünen zur Beitragsbelastung von Rentnern in der privaten Krankenversicherung antwortete die Bundesregierung am 30.05.2016 offiziell:

Der Anteil der privat Versicherten, die eine Prämie entrichten, die den Höchstbeitrag der GKV überschreitet, lag nach Angaben des WIP [Anm.: Wissenschaftliches Institut der Privaten Krankenversicherung] im Jahr 2012 bei 0,5 Prozent der Versicherten.

Quelle: www.bundestag.de, Stand 18.02.2019


Das bedeutet lediglich einer von 200 PKV-Versicherten zahlte im Jahr 2012 mehr als den damals gültigen Höchstbeitrag der GKV.  

Kalkulation der Beiträge in der PKV


Grundsätzlich muss gesagt werden, dass der Beitrag in der PKV nicht steigt, weil der einzelne Versicherte älter wird, sich sein Gesundheitszustand verschlechtert und er höhere Kosten verursacht. 

Private Versicherer kalkulieren anders als die gesetzlichen Krankenversicherung nicht nach dem Umlageverfahren, sondern im sogenannten Anwartschaftsdeckungsverfahren. Das bedeutet sie haben in ihren Tarifen bereits einkalkuliert, dass Versicherte älter werden und im hohen Alter auch höhere Kosten verursachen. Die Beiträge sind dabei konstant kalkuliert, sprich sie würden eigentlich über das gesamte Leben hinweg gleich hoch bleiben. 

In jungen Jahren verursachen wir alle im Verhältnis gesehen geringere Kosten und zahlen höhere Beiträge, als sie rein vom Risiko aus betrachtet nötig wären. Die Krankenversicherer bilden aus diesen "zu viel" gezahlten Beiträgen sogenannte Alterungsrückstellungen. Im hohen Alter nutzen die Versicherer diese Alterungsrückstellungen dann, um die höheren Gesundheitskosten auszugleichen. 


Wenn die Beiträge eigentlich konstant kalkuliert sind, weshalb steigen Sie dennoch über die Zeit an?

Die demographische Entwicklung führt in der PKV zu keinem Anstieg der Beiträge. Die Ursache für die dennoch steigenden Beiträge liegt in der Entwicklung der Gesundheitskosten, auch "medizinische Inflation" genannt.

Mit steigender Lebenserwartung und neuen Behandlungsmethoden durch medizinisch-technischen Fortschritt steigen die Ausgaben für die privaten Krankenversicherer, aber auch für die gesetzlichen Krankenkassen an.

Eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP) aus dem Jahre 2019 zeigt, dass die Gesundheitsausgaben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Zeitraum 2006 bis 2016 um 44 Prozent, im Zeitraum 1996 bis 2016 um 82 Prozent gestiegen sind. Als ursächlich für diesen starken Anstieg werden mehrere Faktoren genannt wie etwa 

  • vor allem der medizinisch-technische Fortschritt,
  • die Alterung der Gesellschaft, sprich der höhere Anteil an Menschen in den ausgabeintensiven Altersjahren,
  • Ausweitungen des Leistungskataloges und
  • eine angebotsinduzierte Nachfrage.

In der Antwort der Bundesregierung vom 30.05.2016 auf die Anfrage der Grünen heißt es weiter:

Die Kostensteigerungen, die in den letzten Jahren auch im Bereich der PKV zu beobachten waren, sind maßgeblich auf allgemeine Leistungsausweitungen im Zusammenhang mit dem medizinisch-technischen Fortschritt sowie den Anstieg der Lebenserwartung zurückzuführen. Diese Veränderungen beeinflussen in gleichem Maße auch die Kostenentwicklung in der GKV. Daher verlief die Beitragsentwicklung in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung in den letzten Jahren sehr ähnlich. Die PKV-Beiträge stiegen zwischen 2008 und 2014 um rund 2,5 Prozent pro Jahr (s. die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 18/5956, S. 3, Antwort zu Frage 5) und entwickelten sich damit in diesem Zeitraum etwas weniger dynamisch als die Beiträge in der GKV.


Beitragsentwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung


Der Maximalbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt im Jahr 2019 bei einem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent, einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent und einem Pflegebeitragssatz von 3,05 Prozent 841,47 Euro/Monat bzw. 853,05 Euro/Monat mit dem erhöhten Pflegebeitragssatz von 3,3 Prozent bei kinderlosen Versicherten über 23 Jahren. 

Im Jahr 2018 lag der Maximalbeitrag bei einem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent, einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,0 Prozent und einem Pflegebeitragssatz von 2,55 bzw. 2,8 Prozent inklusive Kinderlosenzuschlag noch bei 803,14 Euro/Monat bzw.  814,20 Euro/Monat.  

Das entspricht eine Steigerung der Beiträge um 4,77 Prozent

Zum Vergleich: Im Jahr 1970 betrug der Maximalbeitrag noch 50,31 Euro! Das entspricht einer durchschnittlichen Steigerung von etwa 5,95 Prozent pro Jahr oder 1695,59 Prozent kumuliert.

Beitragsentwicklung in der GKV im Zeitraum 1970 bis 2019

Jahr

Beitrag KV in %

Zusatz-beitrag in %

Beitrag PV1 in %

Beitrag PV2 in %

BBG KV in Euro

Beitrag KV in Euro

Beitrag ZB in Euro

Beitrag PV1 in Euro

Beitrag PV2 in Euro

Summe KV+PV1 in Euro

Summe KV+PV2 in Euro

2019

14,6

0,9

3,05

3,3

4.537,5

662,48

40,84

138,39

149,74

841,71

853,05

2018

14,6

1,0

2,55

2,8

4.425,0

646,05

44,25

112,84

123,9

803,14

814,20

2017

14,6

1,1

2,55

2,8

4.350,0

635,1

47,85

110,93

121,8

793,88

804,75

2016

14,6

1,1

2,35

2,6

4.237,5

618,68

46,61

99,58

110,18

764,87

775,46

2015

14,6

0,9

2,35

2,6

4.125,0

602,25

37,13

96,94

107,25

736,31

746,63

2014

15,5

0,0

2,05

2,3

4.050,0

627,75

0,0

83,03

93,15

710,78

720,9

2013

15,5

0,0

2,05

2,3

3.937,5

610,31

0,0

80,72

90,56

691,03

700,88

2012

15,5

0,0

1,95

2,2

3.825,0

592,88

0,0

74,59

84,15

667,46

677,03

2011

15,5

0,0

1,95

2,2

3.712,5

575,44

0,0

72,39

81,68

647,83

657,11

2010

14,9

0,0

1,95

2,2

3.750,0

558,75

0,0

73,13

82,5

631,88

641,25

2009

15,5

0,0

1,95

2,2

3.675,0

569,63

0,0

71,66

80,85

641,29

650,48

2008

14,0

0,0

1,7

1,95

3.600,0

504,0

32,4

61,20

70,2

597,6

606,6

2007

13,9

0,0

1,7

1,95

3.562,5

495,19

32,06

60,56

69,47

587,81

596,72

2006

13,3

0,0

1,7

1,95

3.562,5

473,81

32,06

60,56

69,47

566,44

575,34

2005

13,3

0,0

1,7

1,95

3.525,0

468,83

31,73

59,93

68,74

560,48

569,29

2004

14,2

0,0

1,7

1,7

3.487,5

495,23

0,0

59,29

59,29

554,51

554,51

2003

14,3

0,0

1,7

1,7

3.450,0

493,35

0,0

58,65

58,65

552,0

552,0

2002

14,0

0,0

1,7

1,7

3.375,0

472,5

0,0

57,38

57,38

529,88

529,88

2000

13,6

0,0

1,7

1,7

3.297,83

448,5

0,0

56,06

56,06

504,57

504,57

1990

12,5

0,0

0,0

0,0

2.415,85

301,98

0,0

0,0

0,0

301,98

301,98

1980

11,4

0,0

0,0

0,0

1.610,57

183,6

0,0

0,0

0,0

183,6

183,6

1970

8,2

0,0

0,0

0,0

613,55

50,31

0,0

0,0

0,0

50,31

50,31

Alle Daten wurden aufwändig recherchiert. Alle Angaben ohne Gewähr.

Ohne die bereits in der Vergangenheit enormen Zuschüsse aus Steuermitteln, welche im Übrigen auch von Privatversicherten finanziert werden, hätten wir in der GKV noch höhere Beitragssteigerungen gesehen. In den Jahren 2008 bis 2018 haben sich diese Zuschüsse im Übrigen nahezu versechsfacht. 

Ein weiterer Faktor, der die Steigerungen gebremst hat, waren die erfolgten Leistungskürzungen.

Leistungskürzungen in der GKV


Anders als in der PKV, wo die Leistungen vertraglich vereinbart sind, können und sind diese in der GKV bereits mehrmals gekürzt worden, was sich insbesondere nachteilig für Ältere und Kranke auswirkt. Denn Leistungskürzungen bedeuten nichts Anderes als zusätzliche finanzielle Belastungen.   

Nachfolgende Grafik zeigt einen verkürzten Überblick der Leistungskürzungen in der GKV.  

Quelle: (c) Signal Iduna 2015

Im November 2015 wurden noch, was der Grafik nicht zu entnehmen ist, arthroskopische Operationen bei Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) aus dem Leistungskatalog der GKV gestrichen. Hieraus ergab sich für die gesetzlichen Kassen eine Ersparnis von etwa 7 Milliarden Euro. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung ist davon auszugehen, dass weitere Leistungskürzungen bald folgen werden. 

Denn der GKV liegt bekanntermaßen eine Finanzierung nach dem Umlageverfahren zugrunde. Ältere Kranke verursachen Ausgaben, die im Nachgang von jungen Berufstätigen finanziert werden müssen. Wenn allerdings die Lebenserwartung weiter steigt, die sogenannte "Baby-Boomer-Generation" in den Ruhestand geht und weniger junge Beitragszahler nachkommen, stellt sich die Frage, wie sich die gesetzliche Krankenversicherung weiterhin finanzieren soll.

Die GKV ist schlichtweg auf den demographischen Wandel nicht vorbereitet, während die PKV durch das Anwartschaftsdeckungsverfahren diesem gelassen entgegen blicken kann. 


Aktuelle Studien prognostizieren bis ins Jahr 2050 einen Beitragssatz in der GKV zwischen 25 und 30 Prozent. Wo genau der Beitragssatz in gut 30 Jahren liegen wird, kann niemand garantieren, zumal die GKV neben Anpassungen des Beitragssatzes auch weiterhin mit Leistungskürzungen reagieren wird. Letzteres würde aber nur bedeuten, dass die GKV-Versicherten höhere Zuzahlungen leisten und umfangreichere und damit auch teurere private Zusatzversicherungen werden aufnehmen müssen.

So oder so, aufgrund der Zunahme des Anteils der älteren Bevölkerung infolge niedriger Geburtenraten und steigender Lebenserwartung sowie der Ausgabensteigerungen durch den medizinisch-technischen Fortschritt hat die GKV ein wachsendes Finanzierungsproblem.


Situation der PKV


Um es noch einmal deutlich zu sagen: Auch in der PKV werden die Beiträge langfristig steigen. Wachsende Ausgaben durch eine steigende Lebenserwartung und infolge des medizinisch-technischen Fortschritts betreffen die PKV genauso wie die GKV. Die PKV betrifft der medizinisch-technischen Fortschritt womöglich sogar stärker als die GKV, da privat Versicherte häufig früher und umfangreicher von neuen medizinischen Erkenntnissen und Behandlungsmöglichkeiten profitieren.

Aber die PKV leidet nicht unter der demographischen Entwicklung, da sie Alterungsrückstellungen bildet und damit wachsende Ausgaben im Alter finanziert. Im Jahr 2016 beliefen sich diese Alterungsrückstellungen in der PKV auf 233 Milliarden Euro (Quelle: www.pkv.de, Stand 20.02.2019).

"Allein von den Rückstellungen der Privaten Krankenversicherung könnten rechnerisch Leistungen in heutigem Umfang über 8,9 Jahre finanziert werden. Die derzeitige GKV-Reserve in Höhe von 25 Mrd. Euro entsprechen dagegen knapp eineinhalb Monatsausgaben der gesetzlichen Kassen."


Die GKV hingegen ist darauf angewiesen, dass kontinuierlich viele junge Beitragszahler nachrücken, die die Ausgaben der wachsenden Anzahl (Demographie und steigende Lebenserwartung) an Leistungsempfängern finanzieren. Bleiben diese aus, muss die GKV mittel- und langfristig durch stärkere Anpassungen des Beitragssatzes und der Bemessungsgrenze sowie mit weiteren Leistungskürzungen reagieren. 

Die PKV bietet zudem den aus meiner Sicht großen Vorteil, dass anders als in der GKV Leistungskürzungen vertraglich ausgeschlossen sind! Somit steht heute bereits fest, welche Leistungen Sie in 30, 40 oder 50 Jahren noch erhalten werden.

Eine bereits kranke Person wird Leistungskürzungen in der GKV in der Regel nicht mehr durch private Zusatzversicherungen auffangen können. Generell würden zunehmende Leistungskürzungen in der GKV auch wachsende Beiträge für Zusatzversicherungen, die diese Kürzungen auffangen sollen, bedeuten. Auch heute schon müsste ein Erwachsener in der Regel etwa 150 bis 200 Euro/Monat aufwenden, um als gesetzlich Versicherter die Leistungen in allen Bereichen (ambulant, stationär, Zahn) auf das Niveau der PKV zu ergänzen. 

Beitragsentwicklung in der PKV


Nach den Regelungen des Versicherungsaufsichtsgesetzes dürfen Versicherungsunternehmen ihre Beiträge nur anpassen, wenn in einem Jahr die aufgewandten Kosten (Versicherungsleistungen) von den kalkulierten Kosten um einen bestimmten Wert abweichen.

Wird dieser Schwellenwert nicht erreicht, dürfen Anpassungen erst erfolgen, wenn der Wert in einem der folgenden Jahre überschritten wird. Dann muss jedoch auch der Anpassungsbedarf der Vorjahre berücksichtigt werden. Deshalb bleiben Beiträge in der PKV oft über einige Jahre hinweg stabil und dann erfolgt ein größerer Beitragssprung.

Diese Sprünge werden nicht nur in den Medien gern genutzt um Ängste vor kontinuierlichen hohen Beitragssteigerungen zu schüren, sondern auch von der Bevölkerung stärker wahrgenommen (s. nachfolgend "Verzerrte Wahrnehmung in der Beitragsentwicklung"). Es macht jedoch keinen Sinn nur einzelne Jahre oder einzelne Beitragsanpassungen zu betrachten. Stattdessen sollte die durchschnittliche Entwicklung über einen längeren Zeitraum betrachtet werden. 

Das haben sich 2015 offenbar auch Abgeordnete der Linken gedacht und eine Anfrage an den Bundestag gestellt (vermutlich hatten sie eher Sorge um eine Ausbeutung der Versicherten durch das "kapitalistische System" der PKV).

Eine Betrachtung der Entwicklung des durchschnittlichen Beitrages in der PKV im Zeitraum von 2008 bis 2014 ergab folgendes Bild:   

Quelle: dip21.bundestag.de, Stand 20.02.2019

Über alle privaten Krankenversicherungstarife hinweg war in diesem Zeitraum also eine Steigerung des Beitragsaufkommens pro Versichertem in der PKV von durchschnittlich 1,89 Prozent pro Jahr zu beobachten. Im selben Zeitraum waren die Beiträge in der GKV um durchschnittlich 2,67 Prozent pro Jahr gestiegen, obwohl sich hier die Beiträge ohnehin schon auf einem höheren Niveau befanden.

Zudem ist hier noch zu erwähnen, dass es sich bei den Zahlen lediglich um Durchschnittswerte über alle Tarife handelt. Das bedeutet, dass es Tarife gibt, die unter der errechneten Steigerung lagen, aber auch Tarife, die darüber lagen. Anbieter wie die AXA Krankenversicherung oder die Central Krankenversicherung haben die Durchschnittswerte mit stark überdurchschnittlichen Beitragssteigerungen nach oben gezogen. 

Seit 2013 gibt es auch in der privaten Krankenversicherung sogenannte Unisex-Tarife. Bis einschließlich 2012 gab es noch geschlechtsspezifische Tarife, sogenannte Bisex-Tarife, die zwar für darin versicherte Mitglieder weiter existieren, für das Neugeschäft aber geschlossen wurden. Die neuen Unisex-Tarife wurden noch einmal vorsichtiger kalkuliert, weshalb bei ihnen oftmals noch geringere Beitragsanpassungen zu beobachten sind. 

Ende 2016 veröffentlichte das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung Ergebnisse zur Untersuchung der Beitragsentwicklung in der GKV und der PKV. Hierzu ist auch ein kurzer Artikel im Versicherungsbote erschienen.

Untersucht wurde insbesondere der Zeitraum von 2007 bis 2017. 

"Von 2007 bis 2017 ergibt sich in der PKV ein Anstieg der Beitragseinnahmen je Versicherten um 35 %. In der GKV ist ein Anstieg um 37 % festzustellen. Damit nahm die Beitragsbelastung der PKV-Versicherten trotz der erwarteten Prämiensteigerungen im Jahr 2017 im betrachteten 10-Jahreszeitraum in geringerem Maße zu als in der GKV. Über den ganzen Zeitraum betrachtet ergibt sich eine durchschnittliche jährliche Steigerung der Beitragsbelastung von 3,2 % in der GKV und 3 % in der PKV."


"Die Belastung pro Kopf in der GKV inklusive des Bundeszuschusses fällt höher aus als die reine Beitragsbelastung.17 Mit Bundeszuschuss liegt die Steigerungsrate der Einnahmen pro Kopf in der GKV im Betrachtungszeitraum durchgängig über der Steigerungsrate in der PKV. Gegenüber dem Jahr 2007 wird bis 2017 mit einer Steigerung von knapp 45 % in der GKV gegenüber 35 % in der PKV gerechnet (vgl. Abbildung 2), im Schnitt ein Anstieg von 3,8 % in der GKV gegenüber 3 % in der PKV."


Beim Vergleich der Beitragsentwicklung von GKV und PKV sollte noch einmal herausgestellt werden, dass trotz des stärkeren durchschnittlichen Anstieges in der GKV die PKV von den Beiträgen auch erhebliche Alterungsrückstellungen gebildet und damit den wachsenden Ausgaben im Alter vorgebeugt hat, während in der GKV sämtliche Einnahmen inklusive Bundeszuschuss direkt wieder ausgegeben hat. 

Mehr als erwähnenswert sind auch Ergebnisse der Studie der Deutschen Aktuarvereinigung aus dem Jahr 2011:

"Hierbei sei auch zu berücksichtigen, dass die PKV mit der Bildung von Alterungsrückstellungen gleichzeitig Vorsorge für die Effekte des bereits eintretenden demografischen Wandels treffe, während die GKV dem doppelten Demografieproblem aus mit dem Alter steigenden Leistungsauszahlungen und im Rentenalter geringeren Beitragszahlungen schutzlos gegenüber stünde."


Mit Blick auf die Beitragssituation im Alter hält die Studie fest:

"Die Beiträge ab Alter 65 verliefen laut DAV demnach fast konstant und sänken in den höheren Altern dann sogar wieder. Dies sei das Ergebnis der zahlreichen Maßnahmen, die von Unternehmensseite aber auch von gesetzgeberischer Seite getroffen worden seien."


Verzerrte Wahrnehmung der Beitragsentwicklung


Woraus resultiert dann die Angst um stark steigende Beiträge in der PKV, wenn die Beiträge in der PKV im Schnitt sogar weniger stark gestiegen sind, als in der GKV?

Das hängt mit den gesetzlichen Regelungen und den Unterschieden in der Beitragszahlung zusammen. In der PKV darf eine Beitragsanpassung nur in Abhängigkeit von zwei sogenannten "auslösenden Faktoren" erfolgen. Nur wenn die Versicherungsleistungen, hierauf wirken sich auch der medizinisch-technische Fortschritt aus, oder die Sterblichkeit von der ursprünglichen Kalkulation - je nach Vertrag - zwischen 5 und 10 Prozent abweichen, darf bzw. muss eine Beitragsanpassung erfolgen.

In der Folge müssen dann auch alle anderen Rechnungsgrundlagen wie zum Beispiel der Zins überprüft und entsprechend die Beiträge angepasst werden. Diese Regelung führt immer wieder dazu, dass es in der PKV über mehrere Jahre einen "Beitragsanpassungsstau", sprich konstant bleibende Beiträge gibt, in der Folge aber auch spürbare Beitragserhöhungen. 

Im Übrigen haben sich die privaten Krankenversicherer bereits in der Vergangenheit dafür ausgesprochen, die starren Regeln für Beitragsanpassungen aufzuweichen. Tatsächlich blockiert jedoch bisher die SPD eine entsprechende Änderung der gesetzlichen Grundlagen.

Die GKV passt die Beiträge hingegen jährlich an. Dies kann sowohl über eine Anhebung des Beitragssatzes wie auch über die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze erfolgen. Diese Anpassungen bekommen die meisten Versicherten jedoch nicht mit.

Die Beitragsbemessungsgrenze (BBG KV) legt fest, bis zu welchem Einkommen gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zu leisten sind. Im Jahr 2019 liegt diese Grenze bei 54.450 Euro. Liegt das Einkommen einer Person über dieser Grenze, zahlt diese die gleichen Beiträge wie mit einem Einkommen in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze. Liegt das Einkommen einer Person nun unter der Bemessungsgrenze und wird diese angehoben, ändert sich dadurch für sie zunächst nichts an der Höhe der von ihr zu leistenden Beiträge. Nur bei einem Einkommen darüber, erhöht sich für die Person aufgrund der Anhebung der Bemessungsgrenze auch die Beitragslast. 

Nahezu alle privat versicherten Angestellten liegen mit ihrem Einkommen über der BBG KV, denn die Jahresarbeitsentgeltgrenze, ab deren Überschreiten sich Angestellte überhaupt erst privat versichern können, liegt immer über der BBG KV, im Jahr 2019 bei 60.750 Euro. Eine Anhebung des Beitragssatzes wirkt sich hingegen für alle gesetzlich Versicherten aus.  

Ein weiterer Umstand führt nun dazu, dass die PKV in der Wahrnehmung vieler Versicherter stärker zu steigen scheint.

Erhält ein gesetzlich versicherter Angestellter sein Nettoeinkommen ausgezahlt, ist sein Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag bereits abgezogen. Auch der Arbeitgeberanteil wurde bereits abgeführt. Steigt im Folgejahr die Bemessungsgrenze der Krankenversicherung und der Angestellte müsste höhere Beiträge leisten, würde er allenfalls den gestiegenen Arbeitnehmeranteil bemerken, oftmals nicht einmal diesen, da womöglich auch sein Einkommen im Folgejahr etwas gestiegen ist. 

Vereinfachte Beispielrechnung:

Der gesetzlich versicherte Angestellte verdiene im Jahr 2019 5.000 Euro brutto/Monat. Im Jahr 2020 soll sein Einkommen um 2 Prozent wachsen, die BBG KV um 3 Prozent steigen, die restlichen Parameter sollen unverändert bleiben.

2019

2020

Bruttoeinkommen / Monat

5.000 Euro

5.100 Euro

Beitragssatz GKV + Pflege (kinderlos, über 23 Jahre)

15,5 % + 3,3%

15,5 % + 3,3%

BBG KV

54.450 Euro

56.083,5 Euro (fiktiv)

Arbeitnehmerbeitrag GKV (inklusive Pflege)

432,20 Euro/Monat

444,23 Euro/Monat

Nettoeinkommen/Monat

2888,56 Euro

2924,27 Euro


Der gesetzlich versicherte Angestellte bemerkt also die Erhöhung der Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung durch die Anhebung der BBG KV nicht, da sein Einkommen zwar prozentual weniger gestiegen ist, absolut aber dennoch.

Ist der Angestellte dann jedoch privat versichert, leistet er den gesamten Beitrag inklusive Arbeitgeberanteil an seinen Versicherer. Er sieht also direkt die Erhöhung und da diese auf seinem Kontoauszug sowohl für den Arbeitnehmer- wie auch für den Arbeitgeberanteil anfällt, wirkt sie für ihn absolut betrachtet viel höher.

Würde die Bemessungsgrenze 2020 fiktiv um 3 Prozent angehoben, käme das in etwa einem gesamten Mehrbeitrag von ca. 25 Euro/Monat gleich (sofern der Angestellte über der BBG KV verdient), die sich auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufteilen, so dass beide jeweils ca. 12,5 Euro/Monat (Zuschlag bei Pflegepflichtversicherung von Kinderlosen über 23 Jahre trägt Arbeitnehmer allein) mehr zahlen müssten.

Würde nun der Beitrag zu seiner privaten Krankenversicherung von beispielsweise 600 Euro/Monat auf 625 Euro/Monat ansteigen, springt ihm das geradezu ins Auge, zumal er ja von seinem Versicherer auch explizit auf diese Steigerung hingewiesen wird.

Kommt es dann infolge eines regulatorisch bedingten Beitragsanpassungsstaus nach zwei oder drei Jahren mit konstanten Beiträgen zu einer Anpassung von 600 Euro/Monat auf 650 Euro/Monat Gesamtbeitrag, ist in der Wahrnehmung des Versicherten die Entwicklung der Beiträge in der PKV besorgniserregend, auch wenn die prozentuale Steigerung über die Jahre immer noch unter derjenigen in der GKV liegt und die Beiträge absolut betrachtet immer noch deutlich unter denen der GKV liegen.   

Niedrigzinsumfeld vs. demographische Entwicklung


Während die PKV von der demographischen Entwicklung nicht betroffen ist, wirkt sich anders als bei GKV das anhaltende Niedrigzinsumfeld auf sie aus. Hält dieses noch für einen längeren Zeitraum an, erzielen private Krankenversicherer möglicherweise über längere Phasen einen Zins, der unterhalb des intern kalkulierten aktuariellen Unternehmenszinses liegt, mit dem unter anderem die Verzinsung der Alterungsrückstellungen kalkuliert ist. Muss dieser Kalkulationszins reduziert werden, führt dessen Absenkung um 0,1 Prozentpunkte in etwa zu einer Erhöhung der Beiträge um ein Prozent.

Die branchendurchschnittliche reale Verzinsung lag im Jahr 2014 bei 3,9 Prozent, während der Rechnungszins für die geschlechterspezifischen und inzwischen für das Neugeschäft geschlossenen Bisex-Tarife bei 3,5 Prozent und für die geschlechtsneutralen Unisex-Tarifen bei 2,75 Prozent liegt. Die Werte hatte ebenfalls der Bundestag im Jahr 2015 auf die Anfrage der Abgeordneten der Linken bestätigt. 

Quelle: dip21.bundestag.de, Stand 20.02.2019

Im Jahr 2017 lag die reale Verzinsung im Branchenschnitt bei 3,46 Prozent und damit über dem durchschnittlichen intern kalkulerten aktuariellen Unternehmenszins von 2,87 Prozent.  (Quelle: Assekurata).

Im Vergleich lässt sich festhalten, dass sowohl bei der GKV wie auch bei der PKV die Beitragsentwicklung von mehreren Parametern abhängig ist.

Die steigende Lebenserwartung und der medizinisch-technische Fortschritt wirkt sich auf beide Systeme aus. Die Entwicklung der Beiträge in der PKV ist zudem abhängig vom Zinsumfeld beziehungsweise der Rendite, die die Versicherer am Kapitalmarkt erzielen können. Da der GKV keine Ansparprozesse zugrunde liegen, betrifft sie auch die Zinsentwicklung nicht. 

Dafür ist die Beitragsentwicklung in der GKV stark von der demographischen Entwicklung abhängig. Im Vergleich ist davon auszugehen, dass sich diese für die GKV deutlich stärker auswirken wird als die Zinsentwicklung für die PKV.   

Beitragssichernde Maßnahmen in der PKV


Innerhalb der privaten Krankenversicherung gibt es einige Mechanismen, die dafür sorgen, dass die Beiträge im Alter stabil und bezahlbar bleiben.

Bereits in den 1990er Jahren wurde eine Kommission eingesetzt, deren Aufgabe es war Lösungen zu erarbeiten, mittels derer überproportionale Belastungen älterer Versicherter vermieden werden sollten. Die Lösungen wurden im Rahmen des GKV-Gesundheitsreformgesetz im Jahr 2000 umgesetzt.

"Unter diesen Maßnahmen war die Einführung eines zehnprozentigen Zuschlages auf den Beitrag. Dieser ist bis zum 60. Lebensjahr zu zahlen und wird ab dem Alter von 65 Jahren beitragsstabilisierend eingesetzt. Der Zuschlag fängt die Kostensteigerungen aufgrund des medizinischen Fortschritts auf. [...] Erstmals darf die PKV seitdem also auch Vorsorge für etwas betreiben, was es noch nicht gibt: die unbekannten medizinischen Innovationen von morgen, die aber mit entsprechender Kostenwirkung garantiert kommen werden.

Ebenfalls mit der genannten Reform wurde eingeführt, dass 90 Prozent der erwirtschafteten Überzinsen den Versicherten gutzuschreiben sind. Wenn also bei einem Rechnungszins von 3,5 Prozent (gesetzlicher Höchstrechnungszins) eine Nettoverzinsung von 4,0 Prozent erzielt wird, fallen 0,5 Prozent Überzinsen an. Davon müssen 90 Prozent verzinslich gesammelt und ab 65 Jahren beitragsmindernd eingesetzt werden. Infolge der Niedrigzinsphase haben die Unternehmen ihren Rechnungszins gesenkt, mit der Folge, dass weiter Überzinsen zur Glättung der Beitragsentwicklung im Alter anfallen. Diese Überzinsen kommen zu den Alterungsrückstellungen, dem Zehn-Prozent-Zuschlag und der Verzinsung nach dem Rechnungszins hinzu."


Überblick zu den beitragssichernden Maßnahmen in der PKV

  • Laut PKV-Verband wurden 2015 39,04 Prozent der Bruttoeinnahmen, sprich des Beitrages, verwendet um Rückstellungen für höhere Kosten im Alter zu bilden (Quelle: www.pkv.de, Stand 20.02.2019). Da diese Rückstellungen prozentual auf den Beitrag gebildet werden, werden in Tarifen mit höheren anfänglichen Beiträgen absolut gesehen höhere Rückstellungen gebildet. Tendenziell sind deshalb auch Tarifen mit höheren Beiträgen tendenziell im Verlauf beitragsstabiler. Diesen Zusammenhang hat der Bundestag im Rahmen der Anfrage der Abgeordneten der Linken bestätigt: "Es ist richtig, dass mit höheren anfänglichen Prämien die Beitragssteigerungen im Alter gedämpft werden können." (Quelle: dip21.bundestag.de, Stand 20.02.2019
  • Infolge des GKV-Gesundheitsreformgesetzes im Jahr 2000 wird der sogenannte gesetzliche Zuschlag in Höhe von 10 Prozent auf den Beitrag angespart und ab dem 65. Lebensjahr verwendet, um Beitragserhöhungen zu umgehen. Ab dem 80. Lebensjahr kann er, sofern er dazu ausreicht, auch für Beitragssenkungen genutzt werden.
  • Rentner in der PKV erhalten zumeist, wie auch Rentner in der GKV, einen Zuschuss zur Krankenversicherung durch den Rentenversicherungsträger. Dies gilt nicht für berufsständische Versorgungswerke und natürlich auch nicht für Selbstständige ohne gesetzliche Rente.
  • Im Rentenalter entfallen einige bis dahin beitragspflichtige Bausteine wie das Krankentagegeld (ab Ruhestand)  und der gesetzliche Zuschlag von 10 Prozent (ab 60. Lebensjahr).
  • Versicherte haben nach §204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) ein Recht zum Wechsel in einen günstigeren Tarif bei der gleichen Gesellschaft. Dabei werden die bereits gebildeten Alterungsrückstellung voll angerechnet. Erhebungen unter anderem der Zeitschrift Ökotest in Ausgabe 10/2011 lässt sich so gteilweise mehr als die Hälfte des bisherigen Beitrages einsparen.
  • Optional können und sollten Versicherte die oftmals deutliche Ersparnis durch einen Wechsel von der GKV in die PKV ansparen, um hierüber eine Reduzierung des Beitrags im Alter zu erzielen. Dies ist je nach Variante steuerlich gefördert und durch den Arbeitgeber gefördert möglich.
  • Als weitere, wenn auch nicht empfehlenswerteste Möglichkeit kann ein Wechsel in den Standard- oder Basistarif des Versicherers erfolgen. Das Leistungsniveau muss nach Art, Umfang und Höhe mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar sein. Der Höchstbeitrag im Basistarif ist begrenzt auf den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung plus dem durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz der gesetzlichen Kassen. Der Standardtarif steht nur Versicherten offen, die bereits vor dem 01.01.2009 privat versichert waren. Er ist ebenfalls an den Leistungskatalog der GKV angelehnt, sieht aber teilweise geringere Leistungen als die GKV oder auch der Basistarif vor. Der Beitrag ist begrenzt auf den Höchstbeitrag in der GKV, allerdings ohne den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz.

Fazit:


Die durchschnittliche Steigerung der Beiträge in der privaten Krankenversicherung, insbesondere eines guten Tarifs, fällt geringer aus, als die Beitragsentwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Für sich genommen mag dieses Fazit den Ein oder Anderen überraschen. Bei genauerer Betrachtung lässt sich das jedoch leicht erklären. 

Die PKV wählt aus, wen Sie versichern möchte, d.h. anders als die GKV muss sie nicht jede Person versichern, unabhängig davon wie viel sie verdient und wie krank sie ist. Vor dem Versicherungsvertrag stehen Fragen zu Gesundheitsangaben, die dazu führen können, dass Personen mit Vorerkrankungen womöglich einen Beitragszuschlag zahlen müssen (deshalb frühzeitig den Gesundheitszustand über einen Optionstarif sichern!) oder abgelehnt werden. Somit weisen die Versicherten in der PKV eine günstigere Risikostruktur auf als in der GKV. 

Anders als die GKV kennt die PKV keine Familienversicherung, das bedeutet für jedes Mitglied fällt ein eigener Beitrag an. Für Kinder ist der Beitrag in der PKV natürlich deutlich geringer als für erwachsene Berufstätige, zumal für Kinder noch keine Alterungsrückstellungen gebildet werden.

Und aufgrund des Anwartschaftsdeckungsverfahrens ist die PKV für die Zukunft besser gerüstet und von den Folgen der demographischen Entwicklung geschützt.

Innerhalb der privaten Krankenversicherung gibt es einige Mechanismen, die dafür sorgen, dass die Beiträge im Alter stabil stabil und bezahlbar bleiben.

Achtung: Besonderheit bei Mitgliedern eines Versorgungswerkes

Für Mitglieder eines Versorgungswerkes gelten bezüglich der gesetzlichen Krankenversicherung im Alter einige Besonderheiten. Im Ruhestand zahlen sie oftmals deutlich höhere Beiträge für die GKV, wenn sie nicht Mitglied der sogenannten Krankenversicherung der Rentner (KVdR) sind. 

Im Ruhestand in der GKV freiwillig Versicherte müssen den vollen Beitragssatz (14,6% zzgl. Zusatzbeitrag zzgl. 3,05% Pflegesatz) auf Versorgungsbezüge leisten UND den verminderten Beitragssatz (14,0% zzgl. Zusatzbeitrag zzgl. 3,05% Pflegesatz) auf sonstige Einnahmen wie Basisrente, Riesterrente, private Rente, Mieteinkünfte und Kapitaleinkünfte.

Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft in der KVdR sind der Bezug einer gesetzlichen Rente sowie die Erfüllung der Vorversicherungszeit. Letztere ist gegeben, wenn in der zweiten Hälfte der beruflichen Erwerbsphase mindestens zu 9/10 eine Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse bestand.  

Beratung zur privaten Krankenversicherung


Wenn Sie jetzt zu dem Schluss gekommen sind, dass eine private Krankenversicherung doch eine sehr sinnvolle Sache ist, sollten Sie sich idealerweise fachkundige Hilfe nehmen.

Gern stehe ich Ihnen als persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung.

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