Weshalb es unverantwortlich ist, keine Berufsunfähigkeitsversicherung zu haben


Haben Sie einmal darüber nachgedacht wie Ihr Leben in den nächsten Jahren und Jahrzehnten aussehen soll?

Wohl gemerkt "soll", da natürlich keiner von uns sagen kann, was in zehn oder zwanzig Jahren ist. Allerdings werden Sie sehr wahrscheinlich auch bestimmte Ziele und Wünsche haben. Und selbst wenn nicht, werden Sie zumindest eine Vorstellung davon haben, wie es nicht aussehen soll.

Wie viele kennen Sie in Ihrem Bekanntenkreis, die dauerhaft ohne Auto auskommen?

Wie viele Ihrer Freunde haben oder planen zumindest irgendwann eine eigene Immobilie zu haben?

Sicher so gut wie alle, denn eine eigene Immobilie bedeutet Lebensqualität und wer will schon bis zum Ableben Miete zahlen.

Streben Sie auch die eigene (abbezahlte) Immobilie an?

Wünschen Sie sich Kinder oder haben Sie bereits welche? Was möchten ihnen bieten können? Eine gute Ausbildung, ein Studium und die gleichen Annehmlichkeiten wie sie deren Freunde haben, damit Ihre Kinder nicht neidisch zu ihnen aufblicken müssen?

Immerhin ist es doch von allen Eltern das Ziel, dass die eigenen Kinder es einmal besser haben. 

Auto, Immobilie und Familie sind vermutlich bei den meisten von uns DIE großen Lebensziele. Dazu kommen sicher noch andere Punkte wie Urlaub, Freizeitgestaltung und so weiter. Sind wir uns hier einig?

In Ordnung. Und wovon finanzieren Sie diese Ziele?

Wenn Sie nicht das Privileg haben durch glückliche Geburt in eine wohlhabende Familie oder einen Lottogewinn bereits ein Millionenvermögen das Ihre nennen zu können, lautet die Antwort: Durch Ihre Arbeitskraft. Sie sind darauf angewiesen, dass Ihre Arbeitskraft dauerhaft, zumindest bis zum verdienten Ruhestand, erhalten bleibt und sie dank ihr kontinuierlich ein gutes Einkommen erzielen.

Was ist aber nun, wenn Ihre Arbeitskraft irgendwann durch Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall verloren geht?

Sie werden sich in den allermeisten Fällen (Ausnahme: sehr wohlhabende und Ihnen wohlgesonnene, großzügige Familie) diese angestrebten Dinge nicht mehr leisten können. Ich möchte eigentlich nicht wieder meine eigene Familiengeschichte wiederholen, aber sie ist dafür eines der besten Beispiele. Sieben Jahre nachdem meine Eltern ein Haus gebaut hatten, wurde mein Vater erwerbsunfähig. Natürlich war das Haus zu dem Zeitpunkt bei Weitem nicht abgezahlt. Ich war zu dem Zeitpunkt in der elften Klasse am Gymnasium.

Versuchen Sie sich in folgende Lage zu versetzen:

Es geht Ihnen gesundheitlich miserabel, Sie sind womöglich gerade um Haaresbreite dem Tod von der Schippe gesprungen und Ihr Arzt sagt Ihnen, dass Sie auf keinen Fall mehr arbeiten dürfen / können. Vor Ihnen steht Ihr Lebenspartner, vielleicht noch 1-2 Kinder und Ihnen wird gerade bewusst, dass Sie nach wie vor eine Darlehensschuld von 400.000 Euro für Haus haben, die Finanzierung Ihres Autos noch läuft, Ihre Kinder in ein paar Jahren studieren möchten und dabei auf Ihre Unterstützung zählen. Für Ihre Genesung wird das sicher nicht förderlich sein.

Um auf meine Situation damals zurück zu kommen, ich habe nach dem Abitur nicht wie ursprünglich geplant direkt das Studium aufgenommen, sondern bin erstmal jobben gegangen..  

Falls Sie jetzt immer noch denken, dass Sie auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung verzichten können, da Sie sich im Ernstfall schon irgendwie durchmogeln werden und sei es nur mit einem Teilzeitjob, der dann auch keine große körperliche und psychische Belastung mit sich bringen darf, sollten Sie sich auch fragen: "Wovon lebe ich nach Rentenbeginn?"

Wenn Sie berufsunfähig sind, zahlen weder Sie, noch ein Arbeitgeber, weiter in die gesetzliche Rentenversicherung, in das berufsständische Versorgungswerk, in eine Zusatzversorgung oder eine betriebliche Altersversorgung ein.

Nur wer gleicht das dann aus?

Selbst wenn Sie bis Rentenbeginn gesund bleiben und arbeiten können, müssten Sie jeden Monat einige hundert Euro zusätzlich für Ihre Altersversorgung aufwenden. Wenn Sie berufsunfähig werden und dadurch die eben genannten Bausteine wegfallen oder entsprechend (deutlich) geringer ausfallen, wird die eigentlich notwendige Sparrate deutlich nach oben gehen.

Nur wie wollen Sie sich das leisten können, wenn Sie berufsunfähig sind und noch nicht mal eine Absicherung haben?

Selbst wenn trotz der gesundheitlichen Problematik noch eine gewisse Restarbeitskraft verbliebe, ist unbestritten, dass Ihre Einnahmen deutlich nach unten gehen. Mit einem Teilzeitjob - den Sie in vielen Fällen gar nicht ausüben können - können Sie Ihr früheres Einkommensniveau nicht halten, insbesondere in einer einfachen Tätigkeit, in der keine besondere berufliche Qualifikation nötig ist. 

Wollen Sie Familie gründen oder eine Immobilie finanzieren wollen, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung absolute Pflicht! Und das bereits heute!

Wenn Sie sich das selbst zumuten wollen, dass Sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent (jeder fünfte bis sechste Akademiker wird irgendwann berufsunfähig) von Grundsicherung leben müssen, weil Sie keine Absicherung getroffen haben, könnte man vielleicht noch sagen "selbst schuld" oder "das ist dann Ihr eigenes Problem". Spätestens wenn es aber auch Auswirkungen haben könnte auf Andere wie Kinder oder Lebenspartner - selbst wenn diese heute noch nicht existieren - ist der Verzicht auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung unverantwortlich.

Mitunter kommt hier der Einwand, dass man eine Berufsunfähigkeitsversicherung ja dann immer noch machen könne, wenn mal Familie oder die Immobilie käme und man sich so auch die Beiträge sparen könne. Doch das ist definitiv zu kurz gedacht.

Für eine Berufsunfähigkeitsversicherung müssen Sie umfassende Angaben zu Gesundheitsfragen und Freizeitaktivitäten leisten. Je älter Sie sind, umso unwahrscheinlicher ist es, dass Sie noch eine Absicherung erhalten.

Oder wissen Sie im Vorfeld, wann Sie krank werden oder eine Verletzung erleiden?

Jetzt zum Finanziellen:

Die Rechnung, dass Sie günstiger wegkommen, wenn Sie noch ein paar Jahre mit der Absicherung warten, ist falsch.

  • 1
    Mit jedem Jahr, um das Sie die Absicherung aufschieben, liegt der Beitrag um gute drei Prozent für die komplette Vertragslaufzeit höher. Sie werden deshalb für den kürzeren Zeitraum mehr Beitrag in Summe leisten müssen als bei früherer Absicherung!
  • 2
    Hinzu kommt, dass Sie bei späterem Beginn riskieren einen Beitragszuschlag zahlen oder einen Leistungsausschluss (z.B. Wirbelsäule, Knie, etc.) oder gar eine Ablehnung hinnehmen zu müssen.
  • 3
    Und Sie haben bei früherem Beginn den Vorteil, dass Sie bei Eintritt einer Berufsunfähigkeit bereits sichere Einnahmen haben bis Sie 67 sind, während Sie sonst leer ausgehen, da Sie keine Absicherung aufgenommen haben.

Aus kaufmännischer Sicht ist das Aufschieben einer Absicherung also völlig unsinnig und der Verzicht auf eine Absicherung etwas blauäugig. Denken Sie sich bitte nicht einfach "Mir wird schon nichts passieren." und schieben Sie diese existenzielle Absicherung nicht auf die lange Bank. Von Ihrer Arbeitskraft hängt wirklich Alles, ich betone noch einmal Alles ab. Ihr Lebensstandard, Ihr Eigenheim, das Wohl Ihrer Familie bzw. die Familienplanung an sich, Alles hängt davon ab, dass Sie dauerhaft ausreichende Einnahmen haben.

Der Wert Ihrer Arbeitskraft:

Rechnen Sie mit dem Berufsunfähigkeits-Rechner selbst einmal hoch wie viel Ihre Arbeitskraft wert ist.

Nachfolgend habe ich Ihnen zur Orientierung für bestimmte Alters- und Einkommensgruppen den Wert der Arbeitskraft - ohne Gehaltssteigerung - bis zum Rentenbeginn mit Alter 67 hochgerechnet.

Netto-einkommen pro Monat

2.000  Euro

2.500  Euro

3.000  Euro

3.500  Euro

4.000  Euro

4.500  Euro

5.000  Euro

Aktuelles Alter

25

1.008.000 Euro

1.260.000 Euro

1.512.000 Euro

1.764.000 Euro

2.016.000 Euro

2.268.000 Euro

2.520.000 Euro

30

888.000 Euro

1.110.000 Euro

1.332.000 Euro

1.554.000 Euro

1.776.000 Euro

1.998.000 Euro

2.220.000 Euro

35

768.000 Euro

960.000 Euro

1.152.000 Euro

1.344.000 Euro

1.536.000 Euro

1.728.000 Euro

1.920.000 Euro

40

648.000 Euro

810.000 Euro

972.000 Euro

1.134.000 Euro

1.296.000 Euro

1.458.000 Euro

1.620.000 Euro

Werte ohne Inflation und Einkommenssteigerung

Vermeintliche Argumente gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung

Im Grunde sind es immer die gleichen vier Argumente, die angeführt werden, wenn keine Berufsunfähigkeitsversicherung aufgenommen werden soll. Diese lassen sich jedoch alle leicht und rational entkräften. Meines Erachtens dienen sie ohnehin nur dazu sich selbst zu beruhigen. Oftmals sind es zudem nur Plattitüden, die man bei Bekannten oder Familienmitgliedern aufgeschnappt hat und wiederholt, ohne sie selbst zu hinterfragen.

Machen Sie diesen Fehler nicht, sondern übernehmen Sie selbst Verantwortung für Ihr eigenes Leben und das Ihrer (zukünftigen) Familie. 

Argument 1: "Ich kann auch noch im Rollstuhl arbeiten. / Ich arbeite am Schreibtisch, das kann ich immer machen. / Mir passiert nichts."

Sie wissen aber doch gar nicht, was Ihnen in den nächsten 30 oder 40 Jahren zustößt. 

Wie wollen Sie dann wissen, was Sie noch machen/arbeiten können, ob überhaupt und in welchem Umfang? 

Keine Frage, es gibt gesundheitliche Probleme, deren Auswirkungen größer und solche, deren Auswirkungen weniger gravierend sind. Wegen manchen Einschränkungen werden Sie Ihren Beruf überhaupt nicht mehr ausüben können, womöglich sogar auch keine andere Tätigkeit mehr, wegen anderen werden Sie Ihren Beruf womöglich noch, aber eben nur noch in deutlich geringerem Maße, ausüben können. Und auch das bedeutet Berufsunfähigkeit. Auch wenn Sie "nur" weniger arbeiten können oder noch auf eine schlechter bezahlte Tätigkeit ausweichen können, wird Ihnen Geld fehlen. Geld das Sie benötigen, um Ihre Immobilie und / oder eine Praxis weiter finanzieren zu können oder Ihren und den Lebensunterhalt Ihrer Familie bestreiten zu können.  

Gerade in akademischen Berufen sind oftmals Druck und Stress besonders stark ausgeprägt. Sie werden jetzt vermutlich denken, nun will ich auf die Psyche raus und damit kriegen Sie ohnehin keine Probleme. Darum allein geht es mir nicht. Aber sie haben Recht, sie gehört dazu. Nicht ohne Grund stellen psychische Erkrankungen - hierzu zählt u.a. auch Burnout - mittlerweile die häufigste Ursache einer Berufsunfähigkeit dar. Sie wären überrascht wie viele junge Berufstätige und selbst Studenten, auch in meinem eigenen Kundenkreis, bereits in psychotherapeutischer Behandlung sind.

Wie können Sie denn heute wissen, dass ein Schicksalsschlag in fünf Jahren wie - Gott bewahre - ein tödliches Unglück Ihres Lebenspartners oder eines Kindes, ein Verkehrsunfall mit schweren oder tödlichen Verletzungen, den Sie nicht verursacht haben, Sie nicht aus der Bahn wirft?

Aber wie gesagt, es geht mir nicht nur um die Psyche. Es kann genauso gut sein, dass beispielsweise Ihr Herz infolge eines oder mehrerer Infarkte so geschwächt ist, dass Sie allgemein nicht mehr so belastbar sind, körperlich, aber auch mental und den beruflichen Stress nicht mehr verkraften können.

Oder was ist mit Krebs?

Statistisch erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 476.000 Menschen neu an Krebs. Mit Glück überwinden Sie eine Erkrankung, aber während der Behandlung werden Sie vermutlich nicht (voll) berufsfähig sein. Und falls Sie das noch nicht wussten, eine Berufsunfähigkeitsversicherung leistet nicht erst bei einer dauerhaften teilweisen (mehr als 50 Prozent) Berufsunfähigkeit, sondern bereits ab einer voraussichtlichen Dauer von 6 Monaten. 

Bedenken Sie bitte, dass es auch viele Situationen gibt, in denen Sie eben nicht mehr einfach so etwas nebenher arbeiten. Zudem ist es ein Unterschied, ob Sie bei ernsten gesundheitlichen Problemen noch etwas arbeiten, weil Sie es möchten oder weil Sie es müssen, um finanziell zu überleben.

Argument 2: "Ich brauche keine Berufsunfähigkeitsversicherung, ich bin verheiratet."

Wissen Sie noch wie das Versprechen lautet?

"Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens, in guten und in schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit." Es ist wünschenswert, dass der Partner auch in schlechten Zeiten, in Krankheit und Berufsunfähigkeit weiter zu einem hält. In der Realität sieht es leider oftmals anders aus. 

Die Scheidungsquote betrug in Deutschland im Jahr 2017 knapp 38 Prozent. Den Höhepunkt hatte sie im 2005 mit etwa 52 Prozent. Das bedeutet auf eine Eheschließung kamen 2017 etwa 0,4 Ehescheidungen. 

Was denken Sie, werden Ehen häufiger oder seltener wieder geschieden, wenn einer der Partner berufsunfähig wird?

Es sind mehr, denn eine Berufsunfähigkeit bedeutet neben der gesundheitlichen Problematik meist großen psychischen Stress, unter anderem auch - sofern keine ausreichende Absicherung besteht - durch finanzielle Not. Mir ist klar, dass wir in guten Zeiten alle davon überzeugt sind, dass man auch in schlechten Zeiten zueinander stehen wird, egal was passiert. Nur ist das in guten Zeiten auch leicht gesagt.

Ich hoffe, dass Sie nie in eine solche Situation kommen werden, aber ich kenne Fälle, in denen es sich ganz anders entwickelt hatte, als man ursprünglich gedacht hatte. So war bei einem Ehepaar etwa die Frau an multipler Sklerose erkrankt. Anfangs schien es keinen Zweifel daran zu geben, dass beide das gemeinsam durchstehen wollten. Im Jahr darauf hatten sich beide getrennt. In einem anderen Fall lies sich die Frau scheiden, nachdem ihr Mann an Depressionen erkrankt war und die Situation für sie irgendwann nicht mehr ertragbar war. 

Aber auch wenn es nicht so kommt und die Beziehung Bestand hat, stellt die Berufsunfähigkeit des Partners praktisch immer ein finanzielles Problem dar, dass der gesunde Partner eben nicht allein auffangen kann.

Abgesehen von dem wegbrechenden Einkommen und dem erhöhten Altersvorsorgeaufwand ist es nämlich häufig so, dass der gesunde Partner sich stärker um den berufsunfähigen Partner kümmern muss. Je nach dessen gesundheitlicher Einschränkung muss jener womöglich neben der Berufstätigkeit - womöglich muss er ohnehin mehr arbeiten, um das entfallende Einkommen zumindest teilweise aufzufangen - mehr Besorgungen erledigen, den Partner regelmäßig zu Untersuchungen und / oder Behandlungen fahren, den Haushalt übernehmen, den Partner pflegen und eine seelische Stütze sein. Oder aber für diese Tätigkeiten wird jemand eingestellt, was zusätzliche Ausgaben gegenüber einem geschrumpften Einkommen bedeutet.

Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Ihr Partner Alles auffangen kann. Selbst wenn Sie denken, dass man die Folgen einer Berufsunfähigkeit gemeinsam schon irgendwie wird auffangen können, kann niemand ausschließen, dass Sie sich schon vorher nicht irgendwann wieder trennen. 

Denken Sie dann als alleinstehende Person "jetzt wäre vielleicht doch eine Absicherung für mich gut", wird diese teurer sein, da Sie bis dahin älter geworden sind. Vor allem tragen Sie bis dahin das Risiko, dass Sie aufgrund Ihrer Krankengeschichte keinen (vollwertigen) Versicherungsschutz mehr erhalten.  

Jeder Partner sollte im Falle einer Berufsunfähigkeit finanziell auf eigenen Beinen stehen können und dazu eine ausreichende Absicherung haben.

Argument 3: "Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist viel zu teuer."

Es stimmt, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung gutes Geld kostet, aber sie ist nicht zu teuer. Das Risiko, das der Versicherer übernimmt bzw. das Sie auslagern ist sehr hoch.

Die Wahrscheinlichkeit, über alle Berufsgruppen hinweg, irgendwann berufsunfähig zu werden, liegt bei etwa 25 Prozent, d.h. statistisch wird etwa jeder Vierte in seinem Berufsleben dauerhaft oder vorübergehend berufsunfähig. Unter Akademikern beträgt die Wahrscheinlichkeit etwa 18 Prozent, d.h. statistisch erwischt es irgendwann jeden fünften bis sechsten. 

Neben der vergleichsweise hohen Wahrscheinlichkeit, dass Sie irgendwann berufsunfähig werden, drückt sich auch der immense Wert Ihrer Arbeitskraft im Beitrag aus. Ohne Berücksichtigung von Inflation und Einkommenssteigerung beträgt die Arbeitskraft eines 25-jährigen, der mit einem Nettogehalt von 2.500 Euro/Monat ins Berufsleben einsteigt 1,26 Millionen Euro!

Was würden Sie als Versicherungsbeitrag veranschlagen, wenn Sie für diese Person das Risiko berufsunfähig zu werden übernehmen müssten?

Der Versicherungsbeitrag spiegelt letztlich nur das Risiko wieder. Versicherer unterliegen aufgrund des hohen Marktangebotes natürlich auch einem Preiswettbewerb. Wäre das Risiko zu einem deutlich geringeren Aufwand versicherbar, können Sie davon ausgehen, dass auch die Beiträge geringer wären. 

Deutsche Versicherer weisen in der Regel zwei Beiträge, den Bruttobeitrag und den Nettobeitrag, aus. Der Bruttobeitrag ergibt sich in der Tarifkalkulation aufgrund vorsichtiger Annahmen bezüglich Wahrscheinlichkeiten berufsunfähig zu werden, Renditen, die der Versicherer am Kapitalmarkt erwirtschaften kann und Kosten, die ihm im laufenden Geschäftsbetrieb entstehen. In der Praxis ergeben sich aufgrund der vorsichtigen Annahmen in der Regel Überschüsse, die die Versicherer großteils wieder an die Versicherten zurückgeben müssen und die direkt mit dem Bruttobeitrag verrechnet werden können. Dadurch ergibt sich der Netto- oder Zahlbeitrag, den Sie als Versicherungsnehmer effektiv leisten. Würden weniger Personen berufsunfähig, fielen die Überschüsse aus wodurch die Zahlbeiträge sinken würden. Insofern lässt sich durchaus sagen, dass die Beiträge auch das Risiko widerspiegeln. 

Eine Frage bezüglich des Beitrages kommt immer wieder auf: "Was passiert mit den Beiträgen, wenn ich nicht berufsunfähig werde?"

Sie werden es womöglich schon vermuten. Die Beiträge erhalten Sie nicht zurück. Niemals. Bei keinem Versicherer, auch wenn Ihnen das von manchen Vermittlern so verkauft wird. Die Beiträge werden für das Versichertenkollektiv benötigt, um bei anderen, die eben doch berufsunfähig werden, die Leistung finanzieren zu können. Das ist das Versicherungsprinzip.

Wie sollte es auch anders funktionieren?

So mancher Vermittler behauptet dennoch ohne rot zu werden, dass Sie Ihre Beiträge zurück erhalten, wenn Sie nicht berufsunfähig werden. Das ist natürlich Blödsinn.

Was passiert tatsächlich?

Die Überschüsse werden nicht direkt mit dem Bruttobeitrag verrechnet, sondern wandern beispielsweise in einen Investmentfonds. Sie zahlen dafür den höheren Brutto- statt Nettobeitrag und am Ende der Vertragslaufzeit wird Ihnen das Guthaben aus dem Investmentfonds ausgezahlt.

Ist das eine gute Lösung?

Nein. 

Warum nicht?

Sie könnten die Ersparnis vom Brutto- zum Nettobeitrag leichter selbst anlegen, wären damit flexibler und hätten vermutlich auch weniger Kosten.

Nun noch einmal zurück zum eigentlichen Thema. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kostet gutes Geld, das Sie nicht zurück erhalten, wenn Sie nicht berufsunfähig werden. Werden Sie jedoch berufsunfähig - und die Wahrscheinlichkeit hierfür ist deutlich höher als die meisten denken - rettet Ihnen die Berufsunfähigkeitsversicherung Ihr (finanzielles) Leben.  

Argument 4: "Versicherungen zahlen doch sowieso nicht."

Es ist mitunter ermüdend, solch eine Aussage - oder alternativ "Ich kann ja nicht alles versichern." - von Personen zu hören, die in Ihrem Leben außer der verpflichtenden Krankenversicherung (mitunter wegen bisheriger Familienversicherung noch nicht einmal diese) noch nicht eine einzige Versicherung besessen haben. Hier wird dann meist wieder nur eine Plattitüde weitergeben ohne sie zu hinterfragen. Die Fakten zeichnen hier ein ganz anderes Bild.

Anlässlich der Berichterstattung im ZDF-Magazin „Frontal 21“ fassen wir (Anmerkung: GDV, Gesamtverband deutscher Versicherer) an dieser Stelle die vorhandenen Fakten zur Berufsunfähigkeitsversicherung zusammen:

Über die Leistung von Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt es relativ wenige rechtliche Auseinandersetzungen. So belief sich die Prozessquote im Zeitraum von 2007 bis 2012 auf rund zwei Prozent. Mit anderen Worten wurde bei einem von 50 gemeldeten Leistungsanträgen ein Gerichtsverfahren angestrengt. [...] 2017 wurden lediglich 380 Beschwerden beim Ombudsmann der Versicherungswirtschaft gezählt, bei ca. 17 Millionen selbstständigen Verträgen oder Zusatzabsicherungen. (Quelle: https://www.gdv.de/de/themen/news/5-fakten-zur-berufsunfaehigkeitsversicherung-34338, 29.01.2019)


Natürlich gibt es auch vereinzelt Fälle, in denen Versicherer nicht leisten. Wie in der Berichterstattung zu lesen ist, kam es durchschnittlich bei einem von 50 Leistungsanträgen zu einem Gerichtsverfahren. Das hat dann in der Regel aber auch Gründe. Und diese zwei Prozent ließen sich noch deutlich reduzieren, wenn bei der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht immer wieder eklatante Fehler gemacht würden. 

Entweder soll für einen Schaden geleistet werden, der nun einmal schlichtweg nicht versichert ist. Hier kann nur der Rat sein, sich die Leistungen eines Versicherungstarifes auch anzusehen. Das ist als Laie zugegebenermaßen nicht immer einfach, aber deshalb gibt es auch Leute, die sich damit auskennen und deren Hilfe man in Anspruch nehmen kann.  

Oder es wurde einfach nicht berücksichtigt, dass Wohngebäudeversicherung nicht gleich Wohngebäudeversicherung ist und Berufsunfähigkeitsversicherung nicht gleich Berufsunfähigkeitsversicherung. Grundsätzlich besteht Vertragsfreiheit und Versicherer können Ihre Tarife und damit auch die Leistungen unterschiedlich gestalten.

So kann etwa der eine Anbieter in die Bedingungen seiner Berufsunfähigkeitsversicherung schreiben, dass er bei Verkehrsdelikten als Ursache einer Berufsunfähigkeit nur leistet, wenn diese maximal fahrlässig herbeigeführt wurden, der andere, dass er auch bei vorsätzlichen Verkehrsdelikten leisten. Der eine Anbieter könnte deshalb unterstellen, dass Sie das Verkehrsdelikt vorsätzlich herbeigeführt haben und müsste so gegebenenfalls nicht leisten, während der andere Anbieter direkt leisten würde.

Oder der eine Anbieter kann in seine Bedingungen schreiben, dass er nicht leisten muss, wenn Sie im Rahmen der medizinischen Mitwirkung sich nicht an beliebige Maßnahmen halten bzw. diese nicht durchführen lassen, während der andere Anbieter auf diese Konsequenz explizit verzichtet. 

Sie sollten also ganz genau hinschauen, wann ein Versicherer leisten muss und wann er die Leistungspflicht umgehen kann, da die Versicherungsbedingungen ihm dies ermöglichen. Dem Versicherer hier eine grundsätzliche Böswilligkeit zu unterstellen ist nicht gerechtfertigt. Sie gehen mit dem Versicherer einen Vertrag ein und sollten sich deshalb auch ansehen, welche Leistungen Sie sich einkaufen. Wenn Sie das, was zugegebenermaßen nicht einfach ist, nicht selbst leisten können, sollten Sie sich fachliche Hilfeleistung nehmen. 

Versicherer werden mitunter auch nicht leisten, wenn Sie Ihre vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt haben. Hierbei treten tatsächlich die häufigsten Probleme aus. Dazu gehört, dass Sie im Rahmen des Versicherungsantrages Angaben unter anderem zu Gesundheitsfragen und Freizeitaktivitäten leisten müssen. Wenn Sie Vorerkrankungen verschweigen, kann das bis zur Leistungsfreiheit des Versicherers führen. Und obwohl Versicherer im Antrag explizit auf die vorvertragliche Anzeigepflicht und die Konsequenzen bei deren Verletzung hinweisen, erlebe ich es immer wieder, dass hier leichtfertig oder auf Anraten unseriöser Vermittler falsche Angaben gemacht werden. 

Es liegt im Wesentlichen an Ihnen beziehungsweise einem seriösen und fachkundigen Makler sicherzustellen, dass Ihr Versicherer seiner Leistungspflicht im Ernstfall nachkommen muss. Versicherungskonzerne sind Wirtschaftsunternehmen. Wenn Sie Ihre Absicherung, vor allem die eines finanziell existenziellen Risikos wie der Berufsunfähigkeit nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Sorgfalt angehen, riskieren Sie, dass diese gegebenenfalls nicht leisten müssen. Achten Sie jedoch auf leistungsstarke Versicherungsbedingungen, korrekte Angaben im Antrag und erfüllen Ihre Obliegenheiten, können Sie auch mit Leistung rechnen. Nehmen Sie sich hierfür fachkundige Hilfe, die bei mir noch nicht einmal einen finanziellen Mehraufwand für Sie bedeutet.

Wie Sie vorgehen und worauf Sie achten sollten

Wenn Sie jetzt zu dem Schluss gekommen sind, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung doch eine sehr sinnvolle Sache ist, sollten Sie die Absicherung Ihrer finanziellen Existenz Schritt für Schritt angehen und sich idealerweise fachkundige Hilfe nehmen.

Gern stehe ich Ihnen dabei als persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung.

Markus Fischer hat 4,77 von 5 Sternen | 67 Bewertungen auf ProvenExpert.com