Worin unterscheiden sich die gesetzliche und private Krankenversicherung?

Der Vergleich der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit der privaten Krankenversicherung (PKV) konzentriert sich häufig nur auf die Aspekte Preis und Leistung. Doch diesen Vergleich nur auf diese beiden Kriterien zu beschränken, wird der Bedeutung der Unterschiede in keiner Weise gerecht. Vor dem Hintergrund unterschiedlichster Finanzierungen, Beitragsberechnungen und Leistungsbestimmung ist es vielmehr gerechtfertigt, die Differenzen zwischen der GKV und der PKV als grundlegende Systemunterschiede zu bezeichnen.

Gesetzliches Umlageverfahren, private Kapitaldeckung

Schon aus der Finanzierung der GKV und der PKV ergeben sich grundlegende Unterschiede. Während die gesetzliche Krankenversicherung nach dem Umlageverfahren finanziert wird, unterliegt die private Krankenversicherung dem Kapitaldeckungsverfahren. Konkret bedeutet das, die gesetzlichen Krankenkassen finanzieren ihre Ausgaben aus den Beitragseinnahmen der heutigen Versicherten. In der GKV wird somit keine finanzielle Rücklage für spätere Generationen gebildet. Vielmehr wird das Geld zum gleichen Zeitpunkt ausgegeben, zu dem es eingenommen wird. Die PKV arbeitet dagegen nach dem Kapitaldeckungsverfahren, das ihre Finanzierbarkeit auch zukünftig sichern soll. Die Versicherten zahlen heute Beiträge, um daraus die Kosten für ihren Versicherungsschutz heute zu begleichen. Gleichzeitig werden aber auch Alterungsrückstellungen gebildet, damit die Beiträge für die Versicherten im Alter bezahlbar bleiben. Dieser sogenannte Deckungs- oder Kapitalstock wird in der Regel verzinslich am Kapitalmarkt angelegt und kann im Alter zur Sicherung konstanter Beiträge verwendet werden. Die GKV und die PKV unterscheiden sich somit schon anhand ihrer Finanzierung.

Beitragsberechnungen nach Einkommen und Alter

Auch bei der Berechnung der Versicherungsbeiträge zeigen sich grundlegende Systemunterschiede zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung. In der GKV werden die Beiträge anhand des einheitlichen gesetzlichen Beitragssatzes und des sozialversicherungspflichtigen Entgelts bemessen. Dieses Entgelt wird nur durch die Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt. Die Kassen können bei Bedarf einen Zusatzbeitrag erheben, wenn dies aus finanziellen Gründen erforderlich erscheint. Die Beitragskalkulation in der PKV folgt einem ganz anderen Prinzip. Hier spielen das Alter und der Gesundheitszustand des Versicherten eine maßgebliche Rolle. Je höher das Eintrittsalter, desto höher sind auch die Versicherungsbeiträge, kranke Versicherte müssen außerdem mit einem Risikozuschlag auf ihren Versicherungsbeitrag rechnen. Somit spielen bei der Kalkulation der Beiträge in der GKV eher die Vorgaben des Gesetzgebers und die finanziellen Verhältnisse des Versicherten eine Rolle, während in der PKV die individuellen Umstände des Versicherungskunden ausschlaggebend sind.

Privat Versicherte bestimmen ihre Leistungen selbst

Als gesetzlich Versicherter haben Sie keine Möglichkeit, die Leistungen Ihrer Krankenversicherung individuell nach Wunsch zu bestimmen. Sie unterliegen der Vorgabe durch den Gesetzgeber, er legt sie anhand der medizinischen Notwendigkeit fest. Wenn Sie einen höherwertigen Versicherungsschutz wünschen, müssen Sie dazu eine private Krankenzusatzversicherung abschließen. In der privaten Krankenversicherung haben Sie dagegen die Möglichkeit, Ihre tariflichen Leistungen und die Kostenerstattungen selbst zu beeinflussen. Wählen Sie einen Tarif mit hochwertigen Kostenerstattungen, fällt eine höhere Versicherungsprämie an, doch diese Entscheidung können Sie nach Belieben selbst treffen und damit Ihren Versicherungsschutz individuell bestimmen.

Markus Fischer hat 4,77 von 5 Sternen | 67 Bewertungen auf ProvenExpert.com