Investieren in Eigenregie oder mit Hilfe eines professionellen Beraters

In einigen Bereichen ist "do it yourself" inzwischen sehr beliebt, etwa beim Heimwerken oder dem Eigenverlegen von Büchern. Was das Anlegen betrifft, halte ich diesen Ansatz jedoch schlicht und ergreifend meist für unklug. Die Finanzwelt ist kompliziert, die Chancen stehen gegen Sie, und es geht um viel, nämlich Ihre finanzielle Zukunft. Kaum jemand würde eine wichtige medizinische Entscheidung treffen, ohne einen Arzt zurate zu ziehen, und aus meiner Sicht gilt für Ihre finanzielle Gesundheit dasselbe wie für Ihre körperliche: Sie brauchen den richtigen Experten!

Selbst zu investieren ist oft beschwerlich, zeitaufwändig und emotional anstrengend. Die meisten Privatanleger sind nicht qualifiziert oder motiviert, die eigenen Investments zu verwalten - aber selbst wenn, ist es bisweilen keine gute Idee, Fachleute verfügen über die besseren Ressourcen, um sich auf den heutigen globalen Märkten mit Ihren komplexen Finanzinstrumenten zurechtzufinden. Für einen Privatanleger hingegen ist es schwierig, ein wirklich ertragsstarkes, richtig diversifiziertes Portfolio zusammenzustellen, Gebühren und Steuern zu minimieren und Doppelungen bei den Investments zu vermeiden. Auch muss das Portfolio laufend beobachtet und an das gewünschte Risikoprofil angepasst werden - ohne die Instrumente eines kompenten Finanzberaters bisweilen eine kaum zu bewältigende Aufgabe.

Zudem kann uns unsere Psyche beim Anlegen einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Eine jährlich vom Marktforschungsunternehmen Dalbar herausgegebene Studie belegt dies. In den Untersuchungen der Finanzdienstleistungs-Experten geht es darum, wie das Verhalten von Fondsanlegern die tatsächlich erzielte Rendite beeinträchtigt. Folgendes Diagramm zeigt Daten aus ihrer Analyse, die den 20-Jahres-Zeitraum bis 2009 umfasst. 


  • check
    Der durchschnittliche Aktienfonds-Investor erzielte eine Rendite von dürftigen 3,2 Prozent jährlich. Der Leitindex S&P 500 brachte es dagegen auf ein Plus von 8,2 Prozent.
  • check
    Der durchschnittliche Anleihefonds-Investor verdiente auf Jahressicht sogar nur 1,0 Prozent, bei einem Ertrag des Barclays U.S. Aggregate Bond Index von 7,0 Prozent.
  • check
    Besonders auffällig und bedauerlich ist dabei wohl, dass die Aktienfonds-Anleger gerade die Inflation übertrafen und die Anleihefonds-Anleger ihr Geld fast gar nicht vermehrten.

Wie ist so etwas möglich?

Die schlichte Antwort lautet: Wir neigen dazu, Aktien und Anleihen zu kaufen, nachdem ihr Kurs gestiegen ist. Dies tun wir, weil wir uns nach einer Aufwärtsbewegung des Marktes sicher fühlen und zuversichtlich sind. Ebenso packt uns die Furcht, wenn es an den Märkten abwärts geht, und wir tendieren zu überschnellen Verkäufen. Solches Verhalten führt oft dazu, dass wir fast zu Höchstpreisen kaufen und fast zu Tiefstpreisen verkaufen. Dadurch liegt unser Ertrag unter Marktniveau.  

Diese Tendenz, die für einen langfristigen Investor eine immense Gefahr darstellt, beruht auf instinktiven Reaktionen. Erkennen Sie sich in einem der folgenden Punkte wieder?

  • Übersteigerter Optimismus. Ein genereller Hang zur Selbstüberschätzung ist für die Gesellschaft in vieler Hinsicht von Vorteil. Ohne ihn gäbe es viele Erfindungen, Unternehmen oder wissenschaftliche Durchbrüche nicht. Beim Anlegen kann zu große Zuversicht jedoch dramatische finanzielle Folgen haben. Gerade erfolgreiche Menschen müssen dies bisweilen auf die harte Tour erfahren, denn sie kalkulieren nicht ein, dass Erfolg in einem Lebensbereich nicht automatisch auch gute Resultate als Investor bedeutet.
  • Präferenz für steigende Preise. Wenn Konsumgüter wie Benzin oder Fleisch teurer werden, schränken die Menschen den Verbrauch ein oder suchen Ersatz. Bei Finanzanlagen hingegen trifft offenbar das Gegenteil zu: Viele Investoren kaufen lieber eine Aktie mit steigendem als mit fallendem Kurs, weil sie die Preisentwicklung fälschlicherweisein die Zukunft fortschreiben. Ebenso strömen sie in Investmentfonds, die in den neuesten Renditeranglisten ganz oben rangieren, während Fonds mit unterdurchschnittlicher Entwicklung abgestoßen werden. Dabei lautet eine der wichtigsten Investmentregeln: Gute Wertentwicklung in der Vergangenheit bietet keinerlei Garantie für künftigen Erfolg. 
  • Herdentrieb. Zu einer Gruppe gehören beruhigt. Wenn andere etwas tun, wagen wir es auch. Ein Beispiel neueren Datums ist die Investmentblase am Markt für hypothekenbesicherte Wertpapiere und riskante Kredite sowie die darauffolgende Katastrophe. Hier zu widerstehen fällt uns schwer, obwohl es sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt hat, dass es gerade bei Massenphänomenen häufig lohnt, gegen den Strom zu schwimmen.
  • Angst vor Fehlern. Wir zögern bei Anlageentscheidungen oft, weil sie schiefgehen könnten. Haben Sie schon einmal statt zu investieren Geld auf dem Konto liegen lassen, weil Sie auf keinen Fall im falschen Augenblick einsteigen wollten? Nach meiner Ansicht ist die richtige Zeit für ein Investment dann, wenn Sie das Geld haben - und die beste Zeit zum Verkauf, wenn Sie das Geld benötigen.
  • Bekanntheitseffekt. Statt uns ein eigens Urteil zu bilden, tätigen wir eine Anlage oft einfach, weil wir bereits Beziehungen zu einer Bank oder einem Verkäufer haben oder weil sie von einem Freund oder Prominenten empfohlen wurde.

Die Liste der emotionalen Gefahren für Ihre Finanzen ließe sich natürlich noch fortsetzen. Wenn Sie sich näher mit diesem Thema befassen wollen, empfehle ich Ihnen das Standardwerk "Manias, Panics and Crashes" des Wirtschaftshistorikers Charles Kindleberger. Womöglich kennen Sie seine berühmte Aussage "Nichts stört das Wohlergehen und das Urteilsvermögen mehr, als zu erleben, wie ein Freund reich wird.

Natürlich liegt es im Interesse der Medien und der Wertpapierbranche, problematisches Verhalten zu fördern. Vielleicht lesen Sie ja bei der Suche nach der nächsten tollen Anlagechance ein Wirtschaftsmagazin wie Capital, Wirtschaftswoche, Euro oder Focus Money, oder Sie schalten ntv oder Bloomberg ein. Dort wird Ihnen Anlegen dann als Unterhaltung präsentiert. Wenn Sie angebissen haben und eine neue Idee umsetzen, fließen aus den Transaktionen Kommissionen an Ihre Bank. Dabei verlangen zahlreiche Finanzunternehmen nach wie vor viel zu viel, wenn Sie Geld in ein neues, groß angepriesenes Investment umschichten.

Die Ereignisse an den Märkten konfrontieren uns immer wieder mit unseren Defiziten, und wir benötigen Disziplin, um diesen typisch menschlichen Tendenzen entgegenzuwirken. Dies beginnt damit zu lernen, wie die Märkte funktionieren. Darauf aufbauend geht es dann darum, Zeit und Anstrengungen auf die Faktoren zu konzentrieren, die unserer Kontrolle unterliegen. So erreichen wir unsere Anlageziele effizienter und entspannter. 

Allein und ohne einen guten Betreuer im Rücken ist dies nur sehr schwer zu schaffen. Die meisten Investoren, die die Verwaltung Ihres Vermögens ernst nehmen, sollten daher die Hilfe eines Fachmanns in Anspruch nehmen. Als Ihr qualifizierter Finanzberater sorge ich für Disziplin und Klarheit im Investmentprozess und hilft, die Verhaltensfehler zu vermeiden, die Ihre finanziellen Pläne durchkreuzen können.

Sehen Sie dies genauso, stellt sich die Frage, ob Sie den Berater einer Bank oder einen unabhängigen Finanzberater wie mich vorziehen sollten. 

Bankberater oder unabhängiger Finanzberater?

Die Berater, die Ihnen bei Ihrer Hausbank oder anderen Finanzinstituten gegenübersitzen, sind Angestellte und damit (wie ein Versicherungsvertreter) zuerst ihrem Arbeitgeber verantwortlich. Sie haben Umsatzvorgaben, oft bezogen auf bestimmte Produkte - und wenn sie diese nicht erreichen, werden sie zum Gespräch mit dem Vorgesetzten gebeten. Was auch immer in deren Prospekten steht, von Unabhängigkeit und ausschließlichem Handeln im Anlegerinteresse kann keine Rede sein. 

Folgende Punkte sollten Sie berücksichtigen:

Ihr Bankberater

  • hat Vorgaben, welche Produkte er Ihnen verkaufen soll
  • bietet Ihnen nur die Produktpalette seines Instituts an.
Markus Fischer hat 4,76 von 5 Sternen | 64 Bewertungen auf ProvenExpert.com