Ist die Kombination von Berufsunfähigkeitsversicherung und Basisrente sinnvoll?

Einige große Strukturvertriebe scheinen bei dem Thema Berufsunfähigkeitsversicherung keine andere Variante zu kennen als die Kombination mit einer Basisrente. Oftmals ist es auch immer der gleiche Versicherer, bei dem der Vertrag platziert wird. Bei einem Vertrieb wie der der Deutschen Ärztefinanz leuchtet diese Monotonie noch ein, schließlich dürfen sie im Bereich Berufsunfähigkeitsversicherung (wie auch bei Rentenversicherungen) nur die Tarife der Deutschen Ärzteversicherung vermitteln. Aber auch andere große Vertriebe greifen beständig ins gleiche Regal. 

Wie sieht es aber für Versicherte wie Sie aus?

Welche Vor- und Nachteile ergeben sich für Sie aus dieser Variante?

Macht eine solche Kombination Sinn?

So viel vorneweg:

Es gibt durchaus Situationen, in denen eine (teilweise) Koppelung der Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Basisrente eine gute Option sein kann.

Es gibt allerdings auch Situationen, in denen sie meines Erachtens keinen Sinn macht.

Strukturvertriebe heben gern den Steuervorteil hervor, der sich aus der Kombination mit einer Basisrente ergibt. Und in der Tat besteht hier anders als bei einer selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung eine (bessere) steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge.

Schauen wir uns zunächst einmal an, weshalb das so ist..

Varianten einer Berufsunfähigkeitsversicherung


Sie können sich je nach Anbieter über verschiedene Varianten gegen die finanziellen Folgen einer Berufsunfähigkeit absichern. Dazu zählen vor allem:

  • Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Risikolebensversicherung mit Berufsunfähigzusatzkeitsversicherung
  • Private Rentenversicherung mit Berufsunfähigkeitszusatzversicherung
  • Basisrente mit Berufsunfähigkeitszusatzversicherung

Die ersten drei Varianten zählen im Rahmen des 3-Schichten-Modells des Deutschen Altersvorsorgesystems zur dritten Schicht, der sogenannten "Privaten Vorsorge". Lediglich die Kombination mit der Basisrente zählt hier zur ersten Schicht, der sogenannten "Basisvorsorge".

Das deutsche Altersvorsorgesystem​

Die drei Schichten ..

.. und woraus sie bestehen

Steuerliche Förderung

Dritte Schicht

Private Vorsorge

Bank- oder Fondssparpläne, private Renten- und Lebensversicherungen, Immobilieneigentum, sonstige private Kapitalanlagen

Steuerliche Begünstigung der Leistungen

Zweite Schicht

Zusatzvorsorge

betriebliche Altersvorsorge, "Riester-Rente"

Steuerliche Förderung der Beiträge

Erste Schicht

Basisvorsorge

gesetzliche Rentenversicherung, Beamtenversorgung, berufsständische Versorgung, landwirtschaftliche Alterskasse, Basisrente / "Rürup-Rente"

Steuerliche Förderung der Beiträge


Steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge einer Berufsunfähigkeitsversicherung


Die Beiträge zu einer (selbstständigen) Berufsunfähigkeitsversicherung in der dritten Schicht können gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 2 B bb) EStG als Sonderausgaben, genauer gesagt als sonstige Vorsorgeaufwendungen steuerlich geltend gemacht werden. Für die steuerliche Absetzbarkeit gelten hierbei Höchstgrenzen. So können sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer Beiträge bis zu 1.900 Euro pro Jahr sowie Selbstständige und Freiberufler bis zu 2.400 Euro ansetzen. Diese Obergrenzen werden allerdings in der Regel durch die Beiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung bereits ausgeschöpft, so dass die Beiträge zur (selbstständigen) Berufsunfähigkeitsversicherung keine zusätzliche steuermindernde Wirkung entfalten (PKV-Versicherte können jedoch durch geschickte Gestaltung auch mit einer (selbstständigen) Berufsunfähigkeitsversicherung Steuervorteile erzielen). 

Die Beiträge einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, die mit einer Basisrente kombiniert ist, können bis zum Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung (West) - im Jahr 2019 liegt der Höchstbeitrag bei 24.305 Euro - von der Steuer abgesetzt werden. Zu den absetzbaren Beiträgen zählen neben denjenigen in eine Basisrente auch jene Altersvorsorgeaufwendungen zur gesetzlichen Rentenversicherung und zu einem berufsständischen Versorgungswerk. Im Jahr 2019 können 88 Prozent der Beiträge steuerlich geltend gemacht werden. Dieser Wert steigt noch bis zum Jahr 2025 in 2-Prozent-Schritten auf 100 Prozent an.

Entwicklung der steuerlichen Absetzbarkeit der Beiträge in der ersten Schicht (Basisvorsorge):

Jahr

Steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge bei Basisrenten-Kombi

2019

88 %

2020

90 %

2021

92 %

2022

94 %

2023

96 %

2024

98 %

2025

100 %

Um die Höhe Ihres Steuervorteils bei einer Kombination mit einer Basisrente zu berechnen, müssen Sie die Jahresbeiträge mit der Höhe der steuerlichen Absetzbarkeit und der Höhe Ihres Grenzsteuersatzes multiplizieren. 

Besteuerung der Berufsunfähigkeitsrente


Während der Steuervorteil bei der Kombination von Berufsunfähigkeitsversicherung mit Basisrente von einigen Vermittlern gern betont wird, wird die Besteuerung der Berufsunfähigkeitsversicherung im Leistungsfall gern verschwiegen. Und das ist dann in den meisten Fällen nicht mehr nur unprofessionell, sondern schon unseriös (wenn es wissentlich verschwiegen wird) und zieht oft eine zu geringe Absicherung nach sich.

Grundsätzlich ist auch die Leistung aus einer (selbstständigen) Berufsunfähigkeitsversicherung in der dritten Schicht steuerpflichtig. Hierbei greift jedoch die im Vergleich deutlich günstigere Ertragsanteilsbesteuerung.    

Ertragsanteilsbesteuerung einer (selbstständigen) Berufsunfähigkeitsrente aus der dritten Schicht (Private Vorsorge):

maximale Laufzeit der Rente ab Eintritt der Berufsunfähigkeit

Ertragsanteil in %

5

7

10

13

15

17

20

21

25

26

30

30


Leistungen aus einer Basisrente, und damit auch eine Berufsunfähigkeitsrente aus einer Kombination mit einer Basisrente, müssen deutlich höher versteuert werden. Bei Rentenbeginn im Jahr 2019 sind gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 a) aa) EStG auf 78 Prozent der Rente Steuern zu zahlen. Der zu versteuernde Anteil steigt bei späterem Rentenbeginn jährlich bis ins Jahr 2020 in 2-Prozent-Schritten und dann bis ins Jahr 2040 in 1-Prozent-Schritten auf 100 Prozent an.

Wichtig:

Der jeweilige zu versteuernde Anteil gilt ausschließlich für die anfängliche zu versteuernde Berufsunfähigkeitsrente. Spätere Erhöhungen aus Überschüssen oder Leistungsdynamiken (garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall) sind voll, also zu 100 Prozent zu versteuern.    

Jahr des Eintritts der Berufsunfähigkeit

zu versteuernder Anteil der Berufsunfähigkeitsrente

2019

78 %

2020

80 %

2021

81 %

2030

90 %

2040

100 %


Vergleich der Besteuerung einer (selbstständigen) Berufsunfähigkeitsrente (dritte Schicht) mit einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung an einer Basisrente (erste Schicht)


Annahmen:

  • 1
    Eintritt der Berufsunfähigkeit und Beginn der Auszahlung der Berufsunfähigkeitsrente jeweils im Jahr 2019
  • 2
    Bezug der Berufsunfähigkeitsrente für maximal noch 20 Jahre möglich, d.h. eine 47-jährige Person wird berufsunfähig und könnte bis Alter 67 eine Leistung erhalten
  • 3
    Keine weiteren zu versteuernden Einnahmen (wie z.B. aus gesetzlicher Rentenversicherung, berufsständisches Versorgungswerk, etc.)

(Selbstständige) Berufsunfähigkeitsversicherung der dritten Schicht (Private Vorsorge)

Rentenhöhe brutto pro Monat

Rentenhöhe brutto pro Jahr

zu versteuern-der Anteil

Steuer*

Rentenhöhe netto pro Monat

2.000 Euro

24.000 Euro

5.040 Euro

0 Euro

2.000 Euro

3.000 Euro

36.000 Euro

7.560 Euro

0 Euro

3.000 Euro

4.000 Euro

48.000 Euro

10.080 Euro

150 Euro

3.988 Euro

5.000 Euro

60.000 Euro

12.600 Euro

648 Euro

4.946 Euro

Berechnung der Steuer nach www.grundtabelle.de/Grundtabelle-2019.pdf inkl. Solidaritätszuschlag und 9 Prozent Kirchensteuer


Berufsunfähigkeitszusatzversicherung kombiniert mit Basisrente (erste Schicht / Basisschicht)

Rentenhöhe brutto pro Monat

Rentenhöhe brutto pro Jahr

zu versteuern-der Anteil

Steuer*

Rentenhöhe netto pro Monat

2.000 Euro

24.000 Euro

18.960 Euro

2.463 Euro

1.795 Euro

3.000 Euro

36.000 Euro

28.080 Euro

5.379 Euro

2.552 Euro

4.000 Euro

48.000 Euro

37.920 Euro

9.852 Euro

3.179 Euro

5.000 Euro

60.000 Euro

46.800 Euro

12.660 Euro

3.945 Euro

Würde man nur das Jahr 2019 betrachten, liese sich als grobe Faustregel festhalten, dass über die Kombination mit einer Basisrente eine etwa 25 Prozent höhere Berufsunfähigkeitsrente versichert werden muss, um auf die gleiche Nettorente zu kommen wie bei einer selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung.  

Aber:

Der Vergleich der Besteuerung liegt die Annahme zugrunde, dass die Berufsunfähigkeit bereits im Jahr 2019 eintritt. Würde diese hingegen erst im Jahr 2040 eintreten, müssten bei der Kombination mit der Basisrente die kompletten 100 Prozent der Berufsunfähigkeitsrente versteuert werden. Sie können davon ausgehen, dass die Nettorente dann tendenziell noch einmal geringer wäre. Unter der zugegeben fiktiven Annahme, dass die steuerlichen Rahmenbedingungen sich bis dahin nicht verändern würden, blieben von 3.000 Euro monatlicher Bruttorente so statt 2.552 Euro (bei BU-Eintritt im Jahr 2019) nur noch 2.313 Euro netto übrig. Um dann noch auf eine BU-Rente in Höhe von netto 3.000 Euro zu kommen, müssten dann schon etwa 4.200 Euro brutto versichert sein. Oder anders ausgedrückt etwa 40 Prozent mehr BU-Rente. 

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass voraussichtlich bis ins Jahr 2040 auch der steuerliche Grundfreibetrag weiter ansteigen dürfte, so dass der Nachteil der höheren Besteuerung vermutlich etwas geringer ausfallen wird.

Vor- und Nachteile der Kombination einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Basisrente


Vorteile:

  • (Hohe) steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge - sofern Sie Ihr Einkommen in Deutschland versteuern!
  • Bei manchen Anbietern ist der Anteil am Gesamtbeitrag, der bei der Kombination für die Berufsunfähigkeitsrente anfällt, infolge höherer Überschussverrechnung ein paar Prozentpunkte niedriger als in der selbstständigen Variante
  • Bei Eintritt der Berufsunfähigkeit werden die Beiträge in die Basisrente, also für die Altersvorsorge, vom Versicherer weiter angespart und bei entsprechender Vereinbarung jedes Jahr während der Berufsunfähigkeit gesteigert, wodurch eine mitunter deutlich höhere Altersrente erreicht wird. Hierbei spricht man von einer dynamischen Beitragsbefreiung im Leistungsfall. Manche Anbieter nennen es auch kurz Airbag. Der Gedanke hierbei ist, dass im Falle einer Berufsunfähigkeit im Ruhestand, also nachdem die Berufsunfähigkeitsrente geendet hat, weniger Einnahmen zur Verfügung stehen, als wenn man gesund geblieben wäre und bis zum Ruhestand in gesetzliche Rentenversicherung, berufsständisches Versorgungswerk, betriebliche oder private Altersvorsorge, etc. eingezahlt hätte. Aus der Berufsunfähigkeitsrente allein wird man das in der Regel bei weitem nicht ausgleichen können (Allerdings muss man deshalb die Berufsunfähigkeitsrente noch nicht mit einer Rentenversicherung wie der Basisrente kombinieren. Auch eine separate Rentenversicherung kann mit einer solchen dynamischen Beitragsbefreiung versehen werden).

Im Wesentlichen beschränkt sich der Vorteil somit auf die steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge, die in den meisten Situationen bei einer Absicherung in der dritten Schicht (privaten Vorsorge) nicht gegeben ist.

Nachteile:

  • Die (bessere) steuerlichen Absetzbarkeit geht mit einer höheren Besteuerung im Leistungsfall einher. In vielen Fällen wird die Berufsunfähigkeitsrente zu vollen 100 Prozent der Besteuerung unterliegen. Denn die Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit wächst mit dem Alter stark an. Wenn sich heute ein 20-30 jähriger gegen Berufsunfähigkeit absichert, wird er vermutlich eher ab 2040 berufsunfähig als in den Jahren zuvor. Tritt die Berufsunfähigkeit davor ein, sind Rentenerhöhungen aus Überschüssen oder einer garantieren Steigerung im Leistungsfall ohnehin bereits zu 100 Prozent zu versteuern! 
  • Die Kombination von Berufsunfähigkeitsversicherung (Zusatz) mit einer Rentenversicherung (Hauptvertrag) bedeutet immer auch einen Verlust der Flexibilität. Denn eine Anpassung wie über eine Dynamik wirkt sich immer auf den gesamten Vertrag aus, sprich alle Bestandteile des Vertrages erhöhen sich im Umfang des Prozentsatzes der Dynamik. In der Kombination mit einer Basisrente müssen (!) immer mehr als 50 Prozent des Gesamtbeitrages für den Altersvorsorge-Anteil aufgewendet werden. Wenn also höhere Berufsunfähigkeitsrenten in Kombination mit einer Basisrente versichert sind, fällt dementsprechend hoch auch der Gesamtbeitrag aus. Zwar erhält man über die Steuer (sofern auch Steuern gezahlt wurden) einen Teil der Beiträge zurück. Dennoch müssen die Beiträge erst einmal geleistet werden. Gerade in Zeiten geringer Liquidität wie Arbeitslosigkeit, Elternzeit, etc. wird das jedoch oftmals nicht so einfach fallen. Zwar können Sie bei manchen Anbietern zeitlich befristet (meist 6 bis 24 Monate) mit den Beiträgen aussetzen ohne in dieser Zeit den Versicherungsschutz zu verlieren, müssen dann aber die eingesparten Beiträge (mitunter verzinst) nachzahlen. Werden Berufsunfähigkeitsversicherung und Rentenversicherung hingegen über separate Verträge abgeschlossen, kann in solch einer Situation die reine Rentenversicherung meist flexibel ausgesetzt und die separate Berufsunfähigkeitsversicherung zur Aufrechterhaltung des Versicherungsschutzes leichter fortgeführt (bezahlt) werden.  

  • Wenn Sie die zwei Bausteine Berufsunfähigkeitsversicherung und Rentenversicherung (z.B. Basisrente) kombinieren möchten, sollten natürlich auch beide Bausteine empfehlenswert sein. Das ist schon bei sehr wenigen Anbietern der Fall. In der Regel ist entweder die Berufsunfähigkeitsversicherung qualitativ schlecht oder teuer oder die Rentenversicherung beinhaltet hohe Kosten und / oder schlechte Kapitalanlagen. Oder Beides. Nehmen Sie als ein Beispiel, stellvertretend für weitere, die Deutsche Ärzteversicherung. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist wie schon an anderer Stelle beschrieben recht teuer und ist qualitativ nicht herausragend. Über die Deutsche Ärztefinanz wird diese in der Regel mit einer Rentenversicherung, oftmals dem Tarif Relax Rente, kombiniert. Dieser Tarif wurde 2016 noch vom Bund der Versicherten aufgrund hoher Kosten und Intransparenz zum "schlechtesten Versicherungsprodukt des Jahres" gekürt.

Fazit:


Die (teilweise) Kombination einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Basisrente sollte nur dann eine Option sein, wenn Sie davon ausgehen, dass Sie dauerhaft einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz haben werden und Ihre Tätigkeit ein vergleichsweise geringes Risiko aufweist berufsunfähig zu werden (bei Handwerkern ist beispielsweise die BU in der Regel deutlich, mitunter ein Vielfaches, teurer, so dass der Gesamtbeitrag der Kombination für diese nicht tragbar ist). Diese Punkte sollten beispielsweise bei den meisten Ärzten erfüllt sein. Dennoch sollten auch diese die einhergehenden Nachteile bedenken und abwägen. 

Sie müssen über die Kombination mit einer Basisrente etwa eine 20-25 Prozent höhere Berufsunfähigkeitsrente absichern, was bedeutet, dass Sie in der Regel auch einen etwa in diesem Verhältnis höheren Beitrag zahlen. Hätten Sie jetzt nur einen vergleichsweise geringen Grenzsteuersatz von 30 Prozent, macht diese Kombination angesichts der damit verbundenen Nachteile (s.o.) keinen Sinn. Liegt Ihr Grenzsteuersatz hingegen bei etwa 45 Prozent, hätten Sie nach Steuer (und bei 25 Prozent höherer BU-Rente) einen Beitragsvorteil von gut 30 Prozent.

Wenn Sie dann noch davon ausgehen, dass Sie a) dauerhaft einen gut bezahlten Arbeitsplatz haben und mit den Nachteilen der Kombination leben können, kann die Kombination durchaus eine infrage kommende Alternative sein. 

Rechnen Sie hingegen damit, dass Sie für längere Zeit arbeitslos werden könnten, länger gar nicht oder nur in Teilzeit arbeiten werden (z.B. aufgrund Familienplanung) beziehungsweise sich die Steuervorteile langfristig vermindern könnten, sollten Sie lieber keine Kombination mit einer Basisrente wählen.

Denn sichern Sie beispielsweise 2.500 Euro Berufsunfähigkeitsrente in Kombination mit einer Basisrente (entspricht in etwa einer Absicherung von 2.000 Euro in der dritten Schicht) ab, kann der Gesamtbeitrag (je nach Laufzeit, Rentensteigerung, Berufsgruppe,etc.) schnell in einem Bereich von über 200 Euro/Monat liegen. Diese Beträge müssen Sie sich während einer Arbeitslosigkeit, in der Elternzeit oder während einer Teilzeitarbeit erst einmal leisten können, insbesondere wenn die Höhe der Absicherung über die Zeit noch anwächst. 

Deutlich einfacher wäre es in einer solchen Situation, wenn Sie "nur" den Beitrag für eine selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung leisten müssen und eine separate Rentenversicherung einfach pausieren. Primär sollte es immer darum gehen, dass Sie weiterhin Versicherungsschutz genießen. Bei einer Kombination geht das so nicht. Eine (Basis-)Rentenversicherung stellt immer den Hauptvertrag dar und müsste ebenso weiter bedient werden.   

Übrigens:

Manche Versicherer bieten an die Kombination von Berufsunfähigkeitsversicherung und Rentenversicherung nachträglich - ohne erneute Gesundheitsangaben - in zwei separate Verträge aufzulösen. Allerdings wird der Beitrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung dann zu dem dann höheren Alter neu kalkuliert. Es wird also wieder teurer werden. Zudem muss auch erst einmal zu diesem Zeitpunkt und von diesem Versicherer eine selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung angeboten werden. Dies ist nicht bei jedem Versicherer der Fall.

Wenn Sie sich für eine Kombination mit einer Basisrente entscheiden, achten Sie primär darauf, dass die Höhe der versicherten Berufsunfähigkeitsrente ausreicht, um idealerweise Ihren Lebensstandard, zumindest aber Ihre notwendigen Ausgaben langfristig bestreiten zu können. Denn es macht keinen Sinn, wenn Sie beispielsweise als Berufsstarter nur 1.500 Euro Berufsunfähigkeitsrente kombiniert mit einer Basisrente versichern, weil Ihnen bei einer höheren Absicherung der Gesamtbeitrag zu hoch erscheint. Im Ernstfall bleiben Ihnen nach Steuern nur 1.200 bis 1.300 Euro pro Monat, von denen Sie - je nach Situation - auch noch Ihre Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen müssen.

Wenn Ihnen Flexibilität wichtig ist, sichern Sie als angehender Assistenzarzt lieber direkt mindestens 2.000 Euro monatliche Berufsunfähigkeitsrente ohne Basisrente ab. Die Basisrente oder eine andere Altersvorsorge können Sie, sofern es noch nicht direkt finanziell darstellbar ist, auch noch nachholen, sobald Sie sich diese auch leisten können.

Ist Ihnen Flexibilität weniger wichtig und möchten Sie Steuervorteile genießen, sollten Sie als angehender Arzt mindestens 2.500 Euro/Monat mit Basisrente absichern. 

Manche Versicherer bieten Studenten den Vorteil, dass der Gesamtbeitrag für eine Kombination mit Basisrente in den ersten Vertragsjahren deutlich (mitunter auf bis zu 30 Prozent des eigentlich anfallenden Beitrages) vermindert werden kann. Eine spätere Erhöhung der Berufsunfähigkeitsrente, etwa infolge des Berufsstartes, sollte dann meines Erachtens als selbstständige Berufsunfähigkeitsrente ergänzt werden.  

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