Die Vorstellungsrunde

Die Prüfungen im Assessment-Center unterteilen sich in mündliche und schriftliche Testverfahren. Zu den mündlichen Prüfungen gehören neben der Vorstellungsrunde und Selbstpräsentation auch Gruppendiskussionen, Vortrags- und Präsentationsübungen, Rollenspiele und das Interview. Die schriftlichen Aufgaben umfassen herkömmliche Postkorbübungen, Intelligenz-, Leistungs- und Konzentrationstests sowie Persönlichkeitstests.

Im Folgenden schauen wir uns die verschiedenen Aufgabentypen etwas genauer an.

Das Personalauswahlverfahren beginnt in der Regel mit der Vorstellungsrunde, da die Assessoren wissen möchten, wer Ihnen gegenübersitzt. Schon jetzt werden Sie ganz genau beobachtet und bewertet. Wie stellen Sie sich dar und worauf legen Sie bei Ihrer Selbstpräsentation besonderen Wert? Ebenso wird überprüft, ob Sie sich verständlich ausdrücken und ob Ihre Aussagen auch wirklich gut nachvollziehbar sind. In die Selbstdarstellung gehören auf jeden Fall Ihre beruflichen Erfolge und Ziele sowie Ihre persönlichen Interessen. Darüber hinaus sollten Sie Ihre Motivation, den Zuschlag für die angestrebte Arbeitsstelle zu bekommen, klar erkennen lassen. Fassen Sie zusammen, warum gerade Sie für den Job prädestiniert sind und aus welchem Grund Sie diese Position im Unternehmen reizt.

Bei der Selbstpräsentation kommt es vor allem auf die Sprachgestaltung, also auf Form, Ausdruck und Sicherheit sowie Überzeugungskraft an. Daneben sind auch Ausstrahlung und Sachkompetenz wichtige Beurteilungskriterien. Es können auch Präsentationsaufgaben auf Sie zukommen, bei denen Ihr Fachwissen überprüft wird. Dabei geht es in der Regel um Themenbereiche, die mit Ihrem zukünftigen Arbeitsgebiet zu tun haben. Vergessen Sie aber nicht, dass es auch in diesem Fall hauptsächlich um Ihre Persönlichkeit geht, auch wenn jetzt Ihr Fachwissen gefragt ist. Es zählt nach wie vor der Eindruck, den Sie bei den Assessoren hinterlassen, und ob Sie Ihrer Präsentation eine sinnvolle Struktur geben. Das heißt, Sie sollten Daten und Fakten nicht einfach nur herunterleiern, sondern einen lebendigen Vortrag bieten. So könnten Sie Ihre Darstellung beispielsweise an passender Stelle mit entsprechenden Skizzen oder Grafiken optisch unterstützen. Darüber hinaus sollten Sie auf die richtige Körpersprache, die ebenfalls unter ständiger Beobachtung steht, achten.

Ziel der Präsentation ist die inhaltliche Erfassung eines Themas innerhalb einer begrenzten Zeit, das Sie den Zuhörern in einer Art Kurzvortrag vermitteln müssen. Manchmal müssen Sie in einer solchen Präsentation auch Ihren eigenen Standpunkt zu einer bestimmten Thematik vertreten oder die Zuhörer von einem Sachverhalt überzeugen. Die Assessoren achten dabei vor allem auf die Art, wie Sie auf andere zugehen, auf welche Weise Sie vorhandene Meinungen oder Ideen aufgreifen und weiterführen. Wichtig ist auch, dass Sie die Zeitvorgaben einhalten, den Vortrag logisch aufbauen und strukturieren sowie Ihre Zielvorstellungen klar formulieren.

Strahlen Sie Selbstsicherheit und positives Denken aus, sind Sie kreativ und zielstrebig? Argumentieren Sie überzeugend, drücken Sie sich verständlich aus und sind Sie in der Lage, optische Hilfsmittel wie etwa Beamer oder Ähnliches bei Bedarf sinnvoll einzusetzen? Für die Beobachter ist nicht nur von Bedeutung, was Sie machen, sondern vor allem wie Sie es machen. Wie interagieren Sie innerhalb einer Gruppe, wie reagieren die Zuhörer auf Sie? Verbreiten Sie Langeweile oder schaffen Sie es, die ungeteilte Aufmerksamkeit der anderen Personen für sich zu gewinnen? Wie Sie sehen, sind es zahlreiche verschiedene Faktoren, die das Gesamtpaket für die spätere Bewertung Ihrer Persönlichkeit ausmachen und darauf sollten Sie sich gut vorbereiten.

Dabei könnte Ihnen beispielsweise die sogenannte AIDA-Formel helfen, eine Grundformel in der Werbepsychologie, die beschreibt, wie Sie nachhaltig die richtige Wirkung erzielen und einen positiven Eindruck hinterlassen. Der Buchstabe A steht für den englischen Ausdruck ‚Attention‘ und beschreibt, wie Sie Aufmerksamkeit erzeugen können. Signalisieren Sie den Zuhörern zuerst, dass das, was Sie als Nächstes von sich geben werden, äußerst wichtig ist, starten Sie also eine Art ‚Weckruf‘. I steht für ‚Interest‘ und bedeutet, dass Sie jetzt bei den Empfängern Ihrer Botschaft das nötige Interesse wecken müssen. Machen Sie deutlich, dass es um ein wichtiges Thema geht, mit dem Sie jeden persönlich ansprechen wollen. D steht für ‚Desire‘ und bezeichnet den nächsten Schritt, mit dem Sie beim Zuhörer den Wunsch auslösen sollten, genau in der Sache, die Sie gerade präsentieren, aktiv zu werden. Er muss den Eindruck erhalten, dass Ihr Thema genau das richtige für ihn ist. Haben Sie es geschafft, mit Ihren Argumenten zu überzeugen, müssen Taten folgen – A steht also für ‚Action‘. Im letzten Schritt soll der Zuhörer so emotional auf das Thema eingestimmt werden, dass er bereit ist, konkret tätig zu werden.

Neben der Selbstvorstellung können Präsentationen auch in der Gruppe erfolgen oder in Form einer Partnervorstellung. Bei der Partnerpräsentation ist es besonders wichtig, dass Sie Ihr Gegenüber schnell kennenlernen und neben den beruflichen Begebenheiten auch etwas über die Vorlieben und Abneigungen in Erfahrung bringen. Neben den Daten und Fakten Ihres Partners ist auch hier Ihre Darstellung seiner Persönlichkeit gefordert. Dazu gehören eben auch Interessen, die über den beruflichen Weg hinausgehen. Bei der Partnerpräsentation empfiehlt es sich, nicht die komplette Zeit, die Ihnen dafür eingeräumt wird, für den Vortrag zu nutzen. Schaffen Sie sich stattdessen auch etwas Raum für die Vorbereitung. Machen Sie sich Notizen zu Ihren Informationen und überlegen Sie, womit Sie die Vorstellung beginnen, was für den Hauptteil wichtig ist und ob es vielleicht eine nette Anekdote aus dem Leben Ihres Gegenübers gibt, mit der Sie die Präsentation abschließen könnten.

Bei der Gruppenpräsentation kommt noch ein wichtiger Beobachtungsfaktor dazu, nämlich Ihr Auftreten innerhalb der Gruppe. Das heißt, hier wird nicht nur Ihr Beitrag zur Präsentation bewertet, sondern vor allem Ihre Art mit den anderen Gruppenmitgliedern umzugehen. Wichtig ist auch eine sinnvolle Aufgabenverteilung innerhalb der Gruppe, damit kein Chaos entsteht. Achten Sie auch während der Gruppenpräsentation darauf, dass Sie Blickkontakt zu Ihrem Publikum halten.

Unabhängig davon, welche Art der Präsentation man Ihnen abverlangt, es kommt am Ende bei allen Varianten darauf an, präzise auf den Punkt zu kommen und dabei den Sympathiefaktor nicht zu vernachlässigen. Ein gelungener Vortrag steht und fällt auch immer ein wenig mit Ihrer Fähigkeit, Entertainer zu sein. Sie müssen Ihr Publikum überzeugen, statt es zu langweilen, und vergessen Sie das freundliche Lächeln zwischendurch nicht. Sie sind letztlich Sympathieträger, Fachmann und Entertainer zugleich, und nur wenn Sie das auch überzeugend demonstrieren, ist Ihnen der Erfolg sicher.

Markus Fischer Finanz- und Versicherungsmakler hat 4,82 von 5 Sternen 131 Bewertungen auf ProvenExpert.com